Cover Ambrose Ibsen: Der Spuk von Beacon Hill. Foto: Festa Verlag
Horror

Ambrose Ibsen: Der Spuk von Beacon Hill

Ambrose Ibsen gehört in die Riege der amerikanischen Nachwuchsschriftsteller. Sein Genre ist der Horrorroman. „Der Spuk von Beacon Hill“ ist der erste von Ibsens Romanen, der in Deutschland erschienen ist: Der Festa Verlag brachte das Buch, das in den USA der Auftakt der „Beckoning Dead“-Reihe ist, 2020 heraus.

Wer ist die Madenmutter?

Wenn Sadie etwas in ihrem recht langweiligen Leben liebt, dann sind es Bücher. Und so hat die 25-Jährige ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und arbeitet als Bibliothekarin in einer Bücherei. Dass zuhause lediglich Dutzende von halb gelesenen Büchern, aber sonst nichts Aufregendes auf sie wartet, stört sie nicht im Geringsten. Wenn ihr Leben langweilig ist, bedeutet das nämlich, dass ihre dunkle Gabe nicht zum Vorschein kommt. Denn Sadie kann Geister sehen und mit ihnen kommunizieren.

Ihr beschauliches Dasein wird jäh auf den Kopf gestellt, als eine ehemalige Bekannte auf sie zukommt und um Hilfe bittet. Das junge Teenagermädchen Ophelia ist nach einer Mutprobe nicht mehr dieselbe. Sie war mit zwei Freunden in dem düsteren Haus auf dem Beacon Hill, über das sich die Jugendlichen zahlreiche Schauergeschichten erzählen.

Die „Madenmutter“ soll dort umgehen, ein böser Geist, der jeden in Angst und Schrecken versetzt, der es wagt, einen Fuß ins Haus zu setzen. Und offenbar ist Ophelia dieser Madenmutter begegnet. Obwohl Sadie Angst hat, will sie dem Mädchen und ihrer Mutter helfen. Mit Hilfe ihres Kollegen August macht sie sich daran, dem Geheimnis der Madenmutter auf die Spur zu kommen – und setzt dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel …

Wie ein beschriebener Horrorfilm

Madenmutter – wie ekelhaft! Es gibt wirklich wenige Dinge, die mich so sehr ekeln wie Maden. Zum Glück spielen die Maden in „Der Spuk von Beacon Hill“ keine so prominente Rolle, wie man bei dem Namen der dunklen Widersacherin denken sollte.

„Der Spuk von Beacon Hill“ erfindet das Genre nicht neu und steuert auch nichts total Außergewöhnliches bei. Aber es liest sich flott, ist unterhaltsam und kurzweilig. Das Medium, das Spukhaus, der böse Geist – bei mir jedenfalls funktioniert das so gut wie immer. Wer also diese Art von Schauergeschichten mag, macht mit Ibsens Roman nichts verkehrt.

Der größte Kritikpunkt, den ich habe: Hier und da liest sich der Roman eher, als würde ein Horrorfilm beschrieben werden – da fehlt noch der letzte stilistische Schliff, um das Grauen nicht nur simpel aufzuschreiben, sondern es im Kopf der Leser entstehen zu lassen. Aber ich glaube, Ibsen hat das Talent, um irgendwann mit den Großen im Horrorzirkus mitzumischen.

Mit Sadie gibt es eine sympathische, auf den ersten Blick ganz normale Protagonistin, die sich ständig im inneren Zwiespalt befindet und gegen ihre eigenen Ängste ankämpfen muss, um einem unschuldigen Mädchen zu helfen. Sidekick August hat gute Züge, ist aber zu wenig ausgearbeitet und als Charakter zu funktional. Er hilft Sadie, übernimmt die Aufgaben, die sie nicht selbst erledigen kann, oder ist Stichwortgeber zu bestimmten Themen. Das geht noch besser!

Das Ende bietet dann auch noch mal einen typischen Horrorfilm-Effekt. Ich will nicht zu viel verraten, aber hier war noch mal richtig Pfeffer drin und hat verraten, dass es Folgebände gibt.

Schauergeschichte mit einem Schuss Horror

Wer Schauergeschichten mit einem Schuss Horror mag, wird mit dem Werk von Ibsen auf jeden Fall seinen Spaß haben. Auch wenn die Bewertung sehr niedrig aussieht, habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Hoffen wir, dass die Folgebände der Reihe ebenfalls den Weg ins Deutsche finden (bitte bitte, ich mag nicht anfangen, die Reihe auf Englisch zu lesen).

6/10 Madenmütter

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Der Spuk von Beacon Hill
Originaltitel: The Haunting of Beacon Hill
Reihe: The Beckoning Dead – Band 1
Autor: Ambrose Ibsen
Verlag: Festa
ISBN: 9783865528612
Erscheinungsjahr: 2020
Seitenzahl: 266

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