Cover Angélique Mundt: Trauma. Foto: btb Verlag
Thriller

Angélique Mundt: Trauma

„Trauma“ von Angélique Mundt wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das hat aber keinen Einfluss auf meine Bewertung. Obwohl Mundt bereits drei Romane und ein Sachbuch verfasst hat, habe ich noch nichts von der Autorin gelesen. Das sollte sich mit „Trauma“ ändern, dessen Klappentext mich aber so was von angesprungen hat.

Verrückt oder nicht verrückt, das ist hier die Frage

Was, wenn du träumst, du seist eine Mörderin? Und was, wenn du aufwachst und erkennst, dass es gar kein Traum war?

So ergeht es Leila, als sie nicht im eigenen Bett aufwacht, sondern in einem Doppelzimmer in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung. Was hat sie hier zu suchen? Warum hat ihre Familie nicht verhindert, dass sie wie eine Verrückte hier eingesperrt wird?

Gleichzeitig stellen sich aber noch weitere, viel drängendere Fragen. Denn Leilas Musikproduzent und Freund wurde ermordet. Und Leila träumt von dieser Tat – sieht sich selbst als Mörderin. An die Mordnacht hat sie jedoch keinerlei Erinnerungen. Kann es wirklich sein, dass sie ihn getötet hat? Ist es möglich, dass sie verrückt ist? Oder steckt jemand anderes hinter dieser abscheulichen Tat?

Ich-Perspektive mit Vor- und Nachteilen

Von der Thematik her hat mich „Trauma“ direkt begeistert. Eine Frau, eine Mörderin sogar, in der Psychiatrie – aus diesem Stoff lässt sich doch prima was anstellen. Das Setting ist top, und durch Leilas Ich-Perspektive findet man sich schnell in die ungewöhnliche Situation. Es gibt auch keine Perspektivwechsel, so dass die Leser gemeinsam mit Leila herausfinden müssen, was wirklich passiert ist.

Neben Leila lernt man auch andere Patienten auf der Station, die behandelnde Ärztin sowie Leilas Familie kennen. Rasch verdächtigt Leila ihren Ehemann Nicolai, die Tat begangen zu haben. Doch durch ihren begrenzten Spielraum kann sie nur mit dem arbeiten, was sie während der Therapie herausfindet – nämlich das, was in ihrem Kopf unter Trauma und Angst verborgen liegt.

Wo Leilas Ich-Perspektive für die Thematik eigentlich großartig ist, gelangt die Geschichte dadurch jedoch auch schnell an ihre Grenzen. Denn Leila verliert sich zu oft in sich wiederholenden Überlegungen, die wieder und wieder durchgekaut werden. Im Lauf des Romans und mit zunehmendem Wissensstand wandeln sich diese Überlegungen zwar immer wieder ab, aber hier offenbart „Trauma“ einige Schwächen.

Und so kommt es durch den interessanten Aufbau auch dazu, dass die Auflösung im Finale einfach nicht überzeugen kann und sich sehr konstruiert liest. Da stellt sich der Roman mit seiner Perspektive selbst ein Bein.

Viele Stärken nicht voll ausgenutzt

Schade, „Trauma“ hat viele Komponenten für einen starken Psychothriller und lässt sich prima lesen. Zu viele Wiederholungen und eine konstruierte Auflösung stehen einer höheren Bewertung im Weg. Trotzdem wird es wohl nicht das letzte Buch sein, das ich von Angélique Mundt lesen werde.

6/10 Traumata

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Trauma
Autor: Angélique Mundt
Verlag: btb Verlag
ISBN: 9783442718108
Erscheinungsjahr: 2021
Seitenzahl: 347

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