Cover Anne Frasier: Ich bin nicht tot. Foto: Heyne
Thriller

Anne Frasier: Ich bin nicht tot

„Ich bin nicht tot“ stellt den ersten Band der „Jude Fontaine“-Reihe von Anne Frasier dar und wartet mit einer ungewöhnlichen Hauptfigur auf. Denn Jude Fontaine hat eine ganz besondere – und besonders düstere – Vergangenheit aufzubieten.

Killerjagd trotz Trauma

Drei lange Jahre. Drei Jahre voller Verzweiflung, Angst und Hoffnungslosigkeit. Drei Jahre in der Gewalt eines eiskalten und gnadenlosen Verbrechers. Detective Jude Fontaine haben diese drei Jahre verändert. Nach der Flucht aus ihrer Gefangenschaft muss sie irgendwie zurück ins Leben finden. Und das ist alles andere als einfach, denn nicht nur ihre Mitmenschen haben sich verändert. Sie selbst ist ein anderer Mensch geworden, getrieben von ihrem Trauma und einem übermächtig gewordenen Gerechtigkeitssinn.

Obwohl sie als Tochter des Gouverneurs und damit ohne finanzielle Sorgen ihr Hauptaugenmerk darauf legen könnte, wieder zu sich selbst zu finden und ihre Vergangenheit zu verarbeiten, stürzt sich Jude direkt wieder in die Arbeit als Detective bei der Mordkommission. Obwohl ihre Chefin wie auch ihr neuer Partner Uriah Ashby daran zweifeln, dass Jude schon bereit ist, sich einem neuen Fall zu stellen, müssen sie handeln. Denn ein psychopathischer Killer ermordet junge Frauen und scheint dabei ein besonderes Interesse an Jude zu haben. Wann wird er wieder zuschlagen?

Der Star ist das Opfer

Auf den ersten 200 Seiten war ich hin und weg von der großartigen Idee, die Protagonistin, mit der ein Roman bekanntlich steht und fällt, als Opfer eines grauenvollen Verbrechens zu zeigen. Jude muss neu lernen, ihren Alltag zu bestreiten, muss mit Ängsten und Erinnerungen kämpfen.

Darin liegt auch die größte Stärke des Thrillers: Jude in ihrem neuen alten Leben zu begleiten, das sich anders anfühlt und in dem sie keinen Platz mehr zu finden scheint. Ob die schwierige Beziehung zu ihrer Familie, das Wiedersehen mit ihrem Ex oder die Wiederaufnahme ihrer Arbeit, Jude muss an allen Fronten mit ihrem Trauma kämpfen.

Bei dem Fall, mit dem sie und ihr neuer Partner Uriah Ashby betraut werden, sieht es anders aus. Die Morde, die die beiden Detectives aufdecken müssen, nehmen nie richtig Fahrt auf, wirken zu konstruiert und wollen keine richtige Spannung aufkommen lassen. Weder sind die Handlungen des Killers noch der Fortlauf der Handlung stets nachvollziehbar. Da kann „Ich bin nicht tot“ nicht mit den großen Vertretern des Genres mithalten.

Hinzu kommt, dass im Grunde Jude und ihre Geschichte der Star des Thrillers sind; in diesen besonderen Momenten, wenn Jude allein ist und mit sich um jede alltägliche Handlung kämpfen muss oder Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld begegnet, ist der Roman richtig gut. Der Rest wirkt eher wie schmückendes Beiwerk. Und ich persönlich empfand die überraschende Wendung am Schluss als zu gewollt.

Da kann noch mehr kommen!

Mit Jude Fontaine hat Anne Frasier eine komplexe und spannende Hauptfigur geschaffen, die das Zeug zum Thriller-Star hat. Allerdings verleiden der arg konstruierte Fall und einige Längen das Lesevergnügen. Warten wir die folgenden Romane der Reihe ab.

5/10 dunkle Keller

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Ich bin nicht tot
Reihe: Jude Fontaine – Band 1
Originaltitel: The Body Reader
Autor: Anne Frasier
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453439061
Erscheinungsjahr: 2017
Seitenzahl: 432

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