Cover Björn Jagnow: Die Zeit der Gräber. Foto: Heyne
Fantasy

Björn Jagnow: Die Zeit der Gräber

Nach „Túan der Wanderer“ ging es in der Romanreihe des Schwarzen Auges 1995 mit „Die Zeit der Gräber“ von Björn Jagnow weiter. Obwohl der Roman zu den ersten gehört, ist er gleichzeitig einer der düstersten. Den ersten DSA-Roman, „Der Scharlatan“ von Ulrich Kiesow, habe ich beim Rezensieren übrigens nicht vergessen – ich habe ihn im Keller nur noch nicht wiedergefunden.

Die dunkelste Zeit des aventurischen Jahres

Jeder Aventurier und jede Aventurierin, ob groß oder klein, weiß um die Bedeutung der Namenlosen Tage. Denn wo die Zwölfgötter an jeweils dreißig Tagen ihre schützende Hand über die Gläubigen halten, da ist es der Namenlose, der an fünf Tagen des Jahres regiert. Dann werden Türen und Fenster fest verschlossen und man jagt nicht einmal den Hund vor die Tür.

Während dieser dunklen Zeit sind die junge, aus dem Mittelreich stammende Narena und der magiekundige Wulfen aus dem Bornland gemeinsam unterwegs. Eigentlich hatten sie die Namenlosen Tage sicher in einem Dorf verbringen wollen. Doch als eine Frau besagtes Dorf verlässt, beschließen die beiden, ihr zu folgen und sie zurückzubringen – zu ihrem eigenen Schutz.

Ihr Weg führt die Abenteurer auf die Toteninsel, eine Boronsstätte (Boron ist der Gott des Todes und des Schlafes, es ist also eine Art Friedhof), wo sich die Spur der Frau verliert. Die beiden ahnen noch nicht, dass sie in ein gefährliches Abenteuer geraten, das sie an ihre Grenzen bringen wird.

Auch die junge Mjeska befindet sich in einer brenzligen Situation: Ein Druide hat sie entführt und möchte ein dunkles Ritual des Namenlosen mit – oder besser gesagt an – ihr durchführen. Ob sie aus dieser Gefahr lebend herauskommt?

Düster, blutig, unterhaltsam

Wenn es um die Romane des Schwarzen Auges geht, ist es wie bei jeder Reihe, an der eine Vielzahl an Autoren mitwirkt. Nicht jeder Schuss ist ein Treffer, nicht jeder Roman schafft es, eine gute Geschichte zu erzählen und gleichzeitig die aventurische Welt in all ihren Facetten aufzuzeigen. Manche scheinen auch beides nicht zu schaffen.

„Die Zeit der Gräber“ gelingt es, beides unter einen Hut zu bringen. Und was mir besonders gut gefallen hat: Der Roman spart nicht mit unappetitlichen Beschreibungen. Wo in vielen anderen DSA-Büchern Ekelszenen einfach ausgeblendet oder nur knapp angedeutet werden, hält Björn Jagnow voll drauf. Hey, es geht um Anhänger des Namenlosen und gottlose Praktiken, da ist der Weichspül-Modus einfach fehl am Platz.

Gleichzeitig ist die Atmosphäre durchgängig recht düster und damit genau passend zu den Tagen des Namenlosen. Dass die Geschichte nun nicht Pulitzer-Preis-verdächtig ist – geschenkt! Sie ist solide, unterhaltsam und in der DSA-Reihe definitiv eins der blutigsten Werke. Auch die Charaktere sind vielleicht nicht total vielschichtig und komplex, aber sie erfüllen ihren Zweck und tragen ihren Teil zu der kurzweiligen Tour durch einen überraschend düsteren DSA-Roman.

Gruseliges aus Aventurien

„Die Zeit der Gräber“ gehört für mich in die Riege der guten DSA-Romane. Die Zeit des Namenlosen und die Stadt der Toten sind das perfekte Setting für eine unheimliche, spannende Geschichte aus der Welt Aventuriens. Fans werden total auf ihre Kosten kommen. Einen Extrapunkt gibt es für den Nostalgiefaktor.

8/10 Namenlose Tage

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Die Zeit der Gräber
Reihe: Das Schwarze Auge – Band 3
Autor: Björn Jagnow
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453086784
Erscheinungsjahr: 1995
Seitenzahl: 247

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