Cover Carlton Mellick III: Quicksand House. Foto: Festa
Horror

Carlton Mellick III: Quicksand House

„Quicksand House“ von Carlton Mellick III wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das hat aber keinen Einfluss auf meine Bewertung. Die Inhaltsangabe hat mich so komplett angefixt, dass ich dieses Buch unbedingt lesen wollte. Und so viel kann ich schon vorab verraten: Ich habe es nicht bereut, im Gegenteil! Zudem passt es wirklich perfekt in den Gruseltober.

Die seltsame Reise durch ein Haus

Zecke und seine ältere Schwester Polly leben zusammen mit Nanny Warburough, ihrem Kindermädchen, in einem kleinen Hort in einem Haus. Ihre Eltern haben die beiden Kinder noch nie im Leben gesehen; sie werden allein von der Nanny aufgezogen und umsorgt. Und auch den Hort verlassen sie nie. Die Schule wird über einen Teleporter besucht. Das bedeutet, sie haben noch nie etwas von dem Haus gesehen, in dem sie leben.

Als die Maschinen, die den Hort mit Nahrung, Wasser und Licht versorgen, langsam den Geist aufgeben, beschließt Zecke, sein bisheriges Zuhause zu verlassen und sich auf die Suche nach seinen Eltern zu machen. Polly schließt sich ihm nur widerstrebend an.

Auf ihrer seltsamen Reise durch die Flure und Zimmer merken die Geschwister schnell, dass das Haus unfassbar viel größer ist, als sie sich das jemals vorgestellt hätten. Alles wirkt verlassen und düster. Und die beiden sind nicht allein – in den Schatten lauern unheimliche Kreaturen, die nur auf einen falschen Schritt der Kinder lauern …

Ausflug in die Bizarro Fiction

Autor Carlton Mellick III bezeichnet das Genre, in dem er schreibt, als Bizarro Fiction. Und da ich noch nie etwas aus diesem Subgenre gelesen habe, hat mich „Quicksand House“ umso mehr gereizt. Allein schon die Ausgangssituation ist sehr merkwürdig: Da leben Kinder mit einer Nanny in einem Hort, aber weder kennen sie ihre Eltern noch dürfen sie diesen Hort verlassen und den Rest des Hauses erkunden.

Und was hinter den Türen des Horts lauert, was die Kinder dort alles entdecken und erleben, macht einfach tierisch Spaß. Es ist, wie das Subgenre schon ahnen lässt, bizarr, seltsam und außergewöhnlich. Irgendwo habe ich den Vergleich mit Tim Burton gelesen, und dem kann ich nur zustimmen. Mellick III erschafft eine Welt, die viele kleine und große Geheimnisse in sich trägt, die merkwürdig und fremd erscheint, aber gleichzeitig in sich stimmig und nachvollziehbar ist.

Stellenweise wird es auch gruselig, etwa wenn die Kinder sich allein durch das dunkle, riesige Haus mit Horden von gefährlichen Ungeheuern ringsum schlagen müssen. Die Stimmung wird durch den klasse Schreibstil eingefangen und wandelt spielerisch zwischen Mystery, Humor, Drama und Grusel hin und her. Vor allem Zecke wächst einem schnell ans Herz; der kleine Junge ist mutig und vielleicht sogar leichtsinnig auf der Suche nach seinen Eltern. Dabei ist er aber auch mitfühlend und fest entschlossen, seine Schwester zu beschützen, komme, was wolle.

Zahlreiche Fragen werden aufgeworfen: Wer und wo sind die Eltern? Warum kümmern sie sich nicht um ihre Kinder? Was ist das für ein seltsames Haus, in dem sie leben? Tatsächlich werden die meisten dieser Fragen irgendwann beantwortet. Und was soll ich zu deren „Auflösung“ sagen? Wie alle Abenteuer, die die Kinder auf ihrer Reise erleben, reiht sich das Finale in die Reihe der bizarren Begebenheiten ein. Manche werden vom Ende vielleicht enttäuscht sein, aber ich habe es als unheimlich passend für die Geschichte empfunden.

Bizarr, bizarrer, Bizarro

Die Bizarro Fiction hat einen neuen Fan: Ich habe schon lange kein so faszinierendes, bizarres, dabei aber auch spannendes und unterhaltsames Buch mehr gelesen, das einfach anders ist. Aber Achtung: Es ist wirklich sehr speziell, und darauf muss man sich einlassen. Übrigens habe ich noch nie in so kurzer Zeit so oft das Wort „bizarr“ benutzt. Aber wenn’s passt, dann passt es.

9/10 Hausdurchsuchungen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Quicksand House
Originaltitel: Quicksand House
Autor: Carlton Mellick III
Verlag: Festa
ISBN: keine vorhanden
Erscheinungsjahr: 2021
Seitenzahl: 368

„Quicksand House“ gibt es im Hardcover derzeit nur direkt beim Verlag zu kaufen.

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