Cover Charlie Huston: Stadt aus Blut. Foto: Heyne
Krimi,  Phantastik

Charlie Huston: Stadt aus Blut

„Twilight“ – nicht gelesen. „Vampire Diaries“ – weiten Bogen darum gemacht. „Interview mit einem Vampir“ – Film hui, Buch pfui. Ich liebe gute Vampirgeschichten, aber es gibt nicht besonders viel in dieser Richtung, das nicht romantisch verklärt oder harmlos wäre. Wo sind all die blutrünstigen, dreckigen, unterhaltsamen Vampire? Einen jedenfalls habe ich in Charlie Hustons Reihe „Joe Pitt“ gefunden. „Stadt aus Blut“ ist der erste Teil der fünfbändigen Reihe.

Vampire in New York

New York hat sich verändert. Die Metropole ist noch dreckiger, noch verkommener, noch düsterer geworden. Denn mächtige Vampirclans haben die Kontrolle über New York übernommen, beanspruchen ihre Territorien und liefern sich heftige Konkurrenzkämpfe mit jeder Menge Kollateralschäden.

Joe Pitt ist Privatdetektiv. Ach ja, und Vampir. Er leidet an dieser unheimlichen Krankheit, die das Leben völlig verändert, die Essgewohnheiten auf den Kopf stellt und das Sonnenbaden weitaus schwieriger gestaltet. Seine Freundin, die ein Mensch ist, weiß nichts von Joes Vampir-Dasein, hasst aber die Geheimniskrämerei, die Joe deswegen ständig betreibt.

Und als wäre das nicht genug, ziehen auch noch hungrige Zombies durch die Nachbarschaft und haben Appetit auf menschliches Gehirn. Dabei übertragen sie ihre Seuche unkontrolliert an ihre Opfer.

Misstrauische Freundin, rivalisierende Klans, mordlüsterne Zombies – Joe versucht irgendwie seinen Weg zu finden, ohne sich für die Zwecke anderer einspannen zu lassen. Dann bekommt er einen neuen Auftrag. Die Tochter einer Millionärsfamilie ist verschwunden und er soll sie finden. Dass er damit erst recht in die Machtspiele der Clans gerät, wird ihm zu spät klar …

Film Noir meets Vampirhorror

Ein bisschen Film Noir, hier und da etwas Krimi, dazu eine Portion Vampir- und Zombiespaß – Charlie Huston hat ein paar gute Zutaten für den Beginn einer vielversprechenden Reihe zusammengemixt. Joe Pitt als Protagonist macht Spaß: Der zynische, knallharte Antiheld mit dem trockenen Humor passt gut in dieses dreckige, düstere New York.

Auch die meisten anderen Figuren können überzeugen. Dazu kommen flotte Dialoge und blutige Szenen, die deftig, aber nicht übertrieben brutal sind. Und auch dieses Noir-Gefühl wird gut vermittelt.

Was letztlich die höhere Bewertung verhindert, ist das Grundgerüst eines Krimis. Es drückt die Geschichte in einen soliden, aber auch sehr klassischen Rahmen, der nicht endlos viel Raum für Kreatives und Unkonventionelles lässt. Und letztlich ist der Fall der verschwundenen Millionärstochter auch einfach nicht so interessant wie der Rest: Vampirclans, die in New York um die Herrschaft kämpfen, durchgedrehte Zombies, die ihren Virus unkontrolliert verbreiten, und Joes private Sorgen. Wer braucht denn da noch einen Kriminalfall?

Vielversprechender Reihen-Auftakt

„Stadt aus Blut“ ist ein vielversprechender Auftakt zur „Joe Pitt“-Reihe, der mit einem ziemlich coolen Protagonisten, einer blutigen Vampirdystopie und flotten Dialogen punktet. Wäre die Grundlage nicht gerade ein konventioneller Krimi, wäre noch mehr drin gewesen. Weiter geht es mit „Blutrausch“.

7/10 Vampirdetektive

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Stadt aus Blut
Reihe: Joe-Pitt-Reihe – Band 1
Originaltitel: Already Dead
Autor: Charlie Huston
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453675278
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 320

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