Cover Chevy Stevens: Blick in die Angst. Foto: Fischer
Drama

Chevy Stevens: Blick in die Angst

Eine kleine Warnung vorab: Ich hatte mit „Blick in die Angst“ von Chevy Stevens begonnen in dem Glauben, es handle sich dabei um einen Thriller. Auch wenn Thriller-Elemente enthalten sind, muss man den Roman unterm Strich aber eher den Dramen zuordnen. Wer sich für einen Thriller der Autorin interessiert, dem sei „Those Girls“ ans Herz gelegt.

Die Vergangenheit holt einen immer ein

Der Psychiaterin Nadine Lavoie wird eine neue Patientin zugeteilt. Die junge Heather soll nach einem Selbstmordversuch behandelt werden. Doch was treibt eine hübsche, wohlhabende Frau zu einer solch verzweifelten Tat?

Während Nadine mit Heather arbeitet, lernt sie die junge Frau besser kennen. Und sie erfährt, dass Heather und ihr Ehemann Mitglieder in einer Kommune waren, bevor sie austraten, um eine kleine Familie zu gründen.

In Nadine steigen dunkle Erinnerungen auf. An ihre Kindheit, als sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder in eine Kommune zog – in genau dieselbe Kommune, in der Heather und ihr Mann Mitglied waren. Und langsam, aber sicher wird Nadine klar, dass sie viele Erinnerungen zur Kommune verdrängt hat. Sie begibt sich auf eine gefährliche Spurensuche in die Vergangenheit.

So viele Möglichkeiten!

Für mich persönlich war „Blick in die Angst“ von Chevy Stevens eine ziemliche Enttäuschung. Der Roman driftet in zu viele verschiedene Richtungen ab und will von allem ein bisschen sein: Thriller, Drama und Familienroman. Selbstfindung, Mutter-Tochter-Konflikte, allgemein Konflikte in der Familie, Traumabewältigung, zwischendurch Detektivarbeit, Gedanken über das Leben nach dem Tod, noch eine Liebesgeschichte dazu und so weiter.

Dabei beginnt der Roman sehr vielversprechend und wirft ein interessantes Grundthema auf. Eine Kommune, in der nicht alles so schön und friedlich abläuft, bietet ganz viel Stoff für ein spannendes Buch. Aber Stevens verheddert sich in den zahllosen Möglichkeiten. Und wo sich die Ereignisse bisweilen wirr und auch etwas langatmig lesen, da wird auf den letzten 100 Seiten plötzlich aufs Gas gedrückt. Das hätte sich wesentlich besser lösen lassen, indem so manches Geheimnis früher aufgedeckt worden wäre.

Auch Stevens’ Schreibstil kann mich in diesem Roman nicht so überzeugen wie in ihren anderen Werken. Die Ich-Erzählerin Nadine bleibt blass und konnte mich emotional nicht mitnehmen. Ihre Gefühle und Gedanken wiederholen sich zu oft. Spannend dagegen sind die Rückblenden, als Nadine in der Kommune lebte. Hier hat der Roman seine stärksten Passagen.

Nicht Fisch, nicht Fleisch

„Blick in die Angst“ kann sich nicht entscheiden, wohin die Reise gehen soll. Der Genremischmasch ist teilweise eher anstrengend als spannend. Unterm Strich bleibt ein durchschnittlicher Roman der Autorin, der mich emotional nicht packen konnte.

5/10 Kommunen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Blick in die Angst
Originaltitel: Always watching
Autor: Chevy Stevens
Verlag: S. Fischer Verlag
ISBN: 9783596193790
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenzahl: 488

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