Cover Christiane Gibiec: Fünf Monde. Foto: Emons
Familienroman,  Historisches

Christiane Gibiec: Fünf Monde

Die Zahl Fünf hat in Christiane Gibiecs historischem Roman „Fünf Monde“ eine besondere Bedeutung. Es geht um fünf Schwestern, fünf Schicksale und fünf Monde im Deutschland des 17. Jahrhunderts. Übrigens beschränkt sich Gibiecs belletristische Bandbreite nicht nur auf historische Romane; einige Krimis entspringen ebenfalls ihrer Feder.

Dunkle Zeiten in Cöln

Die fünf Schwestern Susanna, Colomba, Agatha, Gislind und Elsa müssen elternlos ihr Leben bestreiten. Nachdem in ihrer Heimat Reutlingen ihre Mutter als Hexe angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde und der Vater kurz darauf aus Trauer verstarb, fliehen die Schwestern nach Cöln. Dort wollen sie sich ein neues Leben aufbauen. Doch für solch junge Frauen im Deutschland des 17. Jahrhunderts ist es nicht einfach, sich zu behaupten, erst recht nicht, wenn die eigene Mutter der Hexerei bezichtigt wurde. Um in Sicherheit zu sein, gründen die Schwestern ein Beginenkonvent.

Zehn Jahre vergehen. Die Hexenjagd in Deutschland ist schlimmer denn je und bedroht das friedliche Leben der Schwestern. Sie sehen sich mit schweren Schicksalsschlägen konfrontiert: Die Pest wütet, eine Entführung findet statt und die Mädchen werden denunziert, sie seien mit bösen Mächten im Bunde. Hinzu kommen ein sehr unerwarteter Besucher und die Irrungen und Wirrungen junger Liebe. Fünf Monde bleiben ihnen Zeit, all diese Herausforderungen zu bestehen.

Historischer Familienroman mit Konfliktpotenzial

Wer sich für das 17. Jahrhundert interessiert, sollte einen Blick auf „Die fünf Monde“ wagen. Christiane Gibiec zeichnet ein schönes, stimmiges Bild der damaligen Zeit in Deutschland. Sogar einige historische Persönlichkeiten tauchen im Roman auf. Für mich persönlich hätte der Fokus sogar noch ein bisschen mehr auf den historischen Elementen liegen können, seien es kleine alltägliche Dinge, seien es tatsächliche historische Ereignisse. Das ist aber Geschmackssache.

Denn in erster Linie serviert Gibiec einen Familienroman. Langsam und mit viel Gefühl wird die Geschichte dieser fünf so unterschiedlichen Schwestern aufgerollt. Da ist Susanna, die Älteste, die sich aufopferungsvoll um die jüngeren Geschwister kümmert. Colomba ist klug und versucht, Probleme rational zu lösen. Agatha hat die übersinnliche Wahrnehmungsfähigkeit der Mutter geerbt. Gislind ist jung und hübsch und giert nach einem schönen Leben. Und Elsa, die jüngste Schwester, leidet unter einer verbotenen Liebe. Hier und da sind die fünf Frauen etwas stereotyp geraten und der Schwerpunkt liegt weniger auf der Spannung als vielmehr auf der emotionalen Ebene. Das ist schade, denn die Probleme der einzelnen Figuren haben genug Konfliktpotenzial, um für spannende Unterhaltung zu sorgen.

Manchmal ist es auch zu viel des Guten. Die Handlung ist vollgepackt mit verschiedenen wichtigen Themen dieses Jahrhunderts. Vielleicht hätte es dem Roman gut getan, hier und da Abstriche zu machen, um sich auf eine kleinere Zahl an Themen zu konzentrieren. Hinzu kommt eine anfängliche Verwirrung, wenn das Geschehen immer wieder in die Vergangenheit der Schwestern in Reutlingen springt. Erst später ergibt sich hieraus ein stimmiges Bild.

Da wäre mehr drin gewesen

Trotz seiner Schwächen habe ich „Fünf Monde“ ziemlich gern gelesen. Hätte der Fokus etwas mehr auf den historischen Rahmen gelegen und wären ein paar Schicksalsschläge mit mehr Verve dargestellt worden, hätte ich noch mehr Punkte gegeben. So bleibt das Werk für mich ein netter historischer Roman.

5/10 Schwestern

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Fünf Monde
Autor: Christiane Gibiec
Verlag: Emons Verlag
ISBN: 9783897054226
Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 382

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