Cover Christina Henry: Die Chroniken von Alice - Finsternis im Wunderland. Foto: Penhaligon
Fantasy,  Horror

Christina Henry: Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland

Ich liebe Alice im Wunderland, sowohl das Original von Lewis Carroll (eins der wenigen Bücher, die ich auch im Original gelesen habe) als auch den dazugehörigen Disneyfilm. Die absurde, vor Kreativität nur so strotzende Geschichte hat diesen düsteren, verrückten Touch, den nur wenige Werke in dieser Form haben. Deshalb war es für mich geradezu eine Pflicht, mir „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ von Christina Henry genauer anzuschauen.

Zehn Jahre im Irrenhaus

Wenn alle glauben, du bist verrückt, bist du dann wirklich verrückt? Die junge Alice lebt seit einem schrecklichen Erlebnis vor zehn Jahren im Irrenhaus. Sie kann sich nicht mehr daran erinnern, was damals passiert ist. Aber vor allem in ihren Albträumen taucht immer wieder ein seltsamer Mann mit Kaninchenohren auf. Ihr einziger Freund ist der wahnsinnige Axtmörder Hatcher in der Zelle nebenan.

Als ein Feuer in der Anstalt ausbricht, können Alice und Hatcher fliehen. Und damit beginnt eine seltsame Reise für die beiden. Denn ein düsteres, blutrünstiges Wesen, das ebenfalls in der Anstalt eingesperrt war, kann sich befreien. Und es liegt an Alice und ihrem verrückten Freund, dieses Wesen aufzuhalten. Auf ihrem Weg begegnen ihnen zahlreiche sonderbare Gestalten …

Wird der Roman der Vorlage gerecht?

„Finsternis im Wunderland“ ist für mich wahnsinnig schwer zu bewerten, gerade weil ich das Original so liebe. Vor allem durch die erste Hälfte des Romans musste ich mich ziemlich quälen. Die Beschreibungen sind sehr oberflächlich und die Geschichte stolpert ohne erkennbares Ziel vor sich hin. Das mag bei „Alice im Wunderland“ von Carroll vielleicht auch manchmal so erscheinen. Trotzdem ist das Original wesentlich origineller, kreativer, verrückter, bizarrer und stilistisch besser.

Es ist keine simple Nacherzählung der Geschichte, die Christina Henry präsentiert. Sie hat sich viel Mühe gegeben, zahlreiche Elemente der ursprünglichen Story in eine neue Handlung einzubetten. Da taucht die Grinsekatze als Unterweltboss auf, die Raupe ist ein Mädchenhändler – und Alice eine Verrückte im Irrenhaus.

Zwischendurch war ich richtig begeistert, wenn ich vor allem die versteckteren Hinweise auf „Alice im Wunderland“ entdeckt habe, die clever eingebaut sind. Andererseits war ich ziemlich enttäuscht von dem Gebotenen. Die Handlung hat mich nicht gefesselt und die Beschreibungen waren mir zu knapp. Und auch wenn einige sehr düstere Elemente zu finden sind, kratzt das Ganze nur an der Oberfläche. Etwas mehr „Show, don’t tell“ hätte hier Wunder gewirkt. Und das völlig unabhängig von „Alice im Wunderland“.

Was mir noch am besten gefallen hat, ist diese großartige Aufmachung: Penhaligon hat die gesamte Reihe in wunderschöne Hardcover gebunden, die ein Blickfang in jedem Bücherregal sind. Allein wegen dieser tollen Cover werde ich wohl doch noch in den einen oder anderen Band der „Dunklen Chroniken“ schauen.

Ich habe lange zwischen 6 und 7 Punkten geschwankt. Letzten Endes habe ich mich für die niedrigere Bewertung entschieden, einfach weil für mich absolut keine „Alice im Wunderland“-Atmosphäre aufkam und die Vorlage wesentlich origineller war.

Zu konventionell geraten

Düster, manchmal blutig, aber ohne Wirkung – „Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland“ kann seiner großartigen Vorlage einfach nicht gerecht werden. Zu konventionell, zu wenig verrückt, zu oberflächlich ist der Roman geraten. Allerdings sind allein schon die wunderschöne Aufmachung und die vielen Andeutungen an „Alice im Wunderland“ einen Blick wert. Die Geschichte wird mit „Die Chroniken von Alice – Die Schwarze Königin“ fortgesetzt.

6/10 Jabberwocks

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Die Chroniken von Alice – Finsternis im Wunderland
Reihe: Die Dunklen Chroniken – Band 1; Die Chroniken von Alice – Band 1
Originaltitel: Alice – The Chronicles of Alice
Autor: Christina Henry
Verlag: Penhaligon
ISBN: 9783764532345
Erscheinungsjahr: 2020
Seitenzahl: 335

Weitere Meinungen

Bellas Wonderworld
Buchperlenblog
LeseWelle

2 Comments

  • LeseWelle

    Hallo Tina!
    Schade das dir das Buch nicht gefallen hat, aber es ist mal interessant eine ganz andere Meinung zu lesen. Ich fand das Buch wirklich sehr gut, aber ich bin auch kein großer Fan des Originals. Trotzdem war es wirklich cool die ganzen Kleinigkeiten aus dem Buch von Lewis Carroll zu entdecken.
    Gerne verlinke ich deine Rezension bei mir auf dem Blog. 🙂
    Liebe Grüße
    Diana

    • Tina

      Hallo, liebe Diana!
      Wie schön, dass du so schnell einen Gegenbesuch machst. 🙂 Ja, ich war wirklich enttäuscht, denn ich wollte dieses Buch unbedingt mögen! Aber ich gebe dir recht, das Entdecken dieser vielen Kleinigkeiten aus dem Original war wirklich klasse und für mich mit das Beste daran. Ich finde es immer total spannend, wenn man bei einem Buch unterschiedlicher Meinung ist. Und wenn es dir recht ist, würde ich dich gern umgekehrt verlinken.
      Viele liebe Grüße und bis bald
      Tina

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