Cover Christine Fehér: Dann bin ich eben weg. Foto: cbt
Drama

Christine Fehér: Dann bin ich eben weg

In der heutigen Zeit sind die wenigsten Menschen zufrieden mit ihren Körpern. Durch Youtube, Instagram und Co. wird man nahezu ständig mit perfekt trainierten Bodys konfrontiert. Ständig fragt man sich, ob der eigene Körper nicht zu schlaff, zu dick, zu unperfekt ist. Das Thema Magersucht in Christine Fehérs Jugendroman „Dann bin ich eben weg“, das 2005 erstmals erschien, ist also nach wie vor aktuell.

Zu dick für die neue Jeans

Sina ist ein ganz normales Mädchen mit seinen ganz normalen Problemen. Ihre Mutter nervt, ihr Bruder ist ständig frech, ihr Schwarm Fabio beachtet sie nicht … und zu allem Unglück passt sie nicht mal in die tolle Jeans, die ihre beste Freundin Melli ihr geschenkt hat. Vielleicht wäre es ja gut, ein paar Kilos abzunehmen?

Gesagt, getan. Sina beginnt mit dem Kalorienzählen. Erst lässt sie ein paar ihrer geliebten Süßigkeiten weg, später reduziert sie die Hauptmahlzeiten. Und es funktioniert! Kilo um Kilo schmilzt, bis sie endlich in diese Jeans passt. Und sogar Fabio scheint sie plötzlich wahrzunehmen!

Doch anstatt nun mit der Diät aufzuhören, verfolgt Sina immer besessener das Ziel, dünner zu werden. Sie beginnt Sport zu treiben, aber je mehr sie abnimmt, desto dicker fühlt sie sich und desto weniger isst sie. Ein Teufelskreis, der immer gefährlicher wird …

Vorbild für Menschen mit Essstörungen?

Jedes Kapitel beginnt mit einer Auflistung der Lebensmittel, die Sina an diesem Tag zu sich nimmt. Die Idee ist klasse, zeigt sie doch erschreckend deutlich, wie die jugendliche Protagonistin immer mehr dem Sog des Hungerns erliegt, wie sie Stück für Stück die Kontrolle über sich verliert, obwohl sie glaubt, ihr Leben im Griff zu haben, nur indem sie Kalorien zählt.

In anderen Rezensionen zu „Dann bin ich eben weg“ wird kritisiert, dass dieses Stilmittel der Lebensmittel-Aufzählung gefährlich sei, könnte sie doch junge Leser beeinflussen. Sprich, gefährdete Leser könnten sich Sinas Essgewohnheiten zum Vorbild nehmen. Ich kann nicht beurteilen, ob daran etwas Wahres ist oder nicht, aber ich weiß nicht, ob Menschen mit Essstörungen dieses Buch brauchen, um sich Anregungen zu suchen.

Allerdings bleibt die Geschichte zu sehr an der Oberfläche. Die Charaktere rund um Sina sind blass und eher Mittel zum Zweck. Die gerade bei diesem Thema so wichtigen psychologischen Elemente bleiben auf der Strecke. Gerade für jugendliche Leserinnen und Leser ist es wichtig, die Gefahren der Magersucht umso eindringlicher und warnender darzustellen. Und da hätte es durchaus etwas mehr sein dürfen, um die Mechanismen hinter diesem zerstörerischen Krankheitsbild zu erkennen.

Insofern bleibt der Roman mit seinen gerade mal 186 Seiten nur eine nette Lektüre für zwischendurch, die kaum im Gedächtnis hängen bleibt.

Etwas zu oberflächlich

„Dann bin ich eben weg“ erzählt die dramatische Geschichte eines Mädchens, das sich immer mehr in einer gefährlichen Essstörung verliert. Dabei kratzt der Roman leider nur an der Oberfläche und hätte wesentlich mehr Potenzial gehabt, seine Botschaft nachhaltiger zu verkünden. Schade um die vergebene Chance.

4/10 mahnende Zeigefinger

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Dann bin ich eben weg
Autor: Christine Fehér
Verlag: cbt
ISBN: 9783570301708
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 186

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