Cover Dan Simmons: Sommer der Nacht. Foto: Heyne
Horror

Dan Simmons: Sommer der Nacht

Nachdem ich die Mystery-Serie „The Terror“ gesehen hatte, wollte ich unbedingt etwas von Dan Simmons lesen, aus dessen Feder die Vorlage zur Serie stammt. Gesagt, getan. „Sommer der Nacht“ sollte es werden, ein Roman aus dem Jahr 1991, der ein Jahr später in Deutschland veröffentlicht wurde. Here we go!

Ein Sommer voller Schrecken

Es ist Sommer im Jahr 1960. Die „Fahrradpatrouille“ freut sich auf die Ferien. Viele Wochen Fahrradfahren, Baseball spielen, Eis essen und Comics lesen liegen vor den Freunden. Eigentlich nennen sich die Jungs, das sind Dale, Lawrence, Duane, Mike, Kevin und Harlen, gar nicht mehr die Fahrradpatrouille, dafür sind sie mit zwölf Jahren zu alt geworden.

Ihre Schule, die Old Central School in Elm Haven, wird nach ihrem letzten Schultag für immer geschlossen. Das alte, unheimliche Gebäude hat seine besten Tage längst hinter sich, die Klassen sollen verlegt werden. Doch ausgerechnet an diesem letzten Schultag verschwindet ein Kind. Tabby Cook war ein Ekelpaket, den niemand mochte, aber trotzdem machen sich die Freunde auf die Suche nach dem Verschwundenen. Hilfe bekommen sie dabei von dessen nicht besonders freundlicher, aber entschlossener Schwester Cordie.

Und dann häufen sich seltsame Vorkommnisse. Duane wird von einem Laster beinahe überfahren, Mike fühlt sich von einem Mann verfolgt, der die Uniform eines Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg trägt, und die Schatten im Kinderzimmer der Brüder Dale und Lawrence entwickeln ein unheimliches Eigenleben. Und das ist erst der Beginn eines furchtbaren Sommers, der alles verändern wird.

Vergleiche mit King und McCammon

Hach, ich bin hin- und hergerissen. „Sommer der Nacht“ wird oftmals in einem Atemzug mit „Es“ von Stephen King und „Boy’s Life“ von Robert McCammon genannt. „Es“ habe ich natürlich schon gelesen und liebe dieses Buch. Es gehört zu meinen wenigen 10-Sterne-Wertungen. Von McCammon habe ich noch nichts gelesen, „Boy’s Life“ und „Swans Song“ stehen aber auf meiner To-Do-Liste für dieses Jahr.

Simmons’ Stil ist wunderbar. Er liest sich flüssig, auch wenn er manchmal etwas zu weit ausholt und sich in Beschreibungen verliert, die mir persönlich stellenweise zu langatmig ausfallen. Vor allem die ersten 200 Seiten ließen sich recht zäh an. Sobald die Handlung ins Rollen kam, wurde es schlagartig besser.

Die Jungs, die sich der unbekannten Bedrohung stellen müssen, sind sympathisch gezeichnet und man fiebert im weiteren Verlauf immer mehr mit. Und es gibt so einige Passagen, die richtig gruselig ausfallen und einen nicht mehr loslassen – vor allem wenn man nachts im Bett liegt und „nur noch ein paar Seiten“ lesen will.

Und trotzdem hat sich bei mir nicht dieses besondere Gefühl eingestellt, dieses tiefe Eintauchen in die Geschichte. Immer wieder hatte ich den Eindruck, Simmons komme nicht richtig auf den Punkt. Das liegt natürlich auch an seinem ausschweifenden Schreibstil. Und die Gruselszenen waren stark, es hätten aber auch gerne einige mehr sein dürfen. Denn die Story selbst ist recht konventionell. Es gibt durchaus ein paar Überraschungen, aber dieses gewisse Etwas fehlt.

Große Fußstapfen

Es ist nicht fair, einen Roman mit „Es“ zu vergleichen, denn das heißt, in große Fußstapfen zu treten (und nein, nicht wegen der Clownschuhe). Natürlich gehören solche Vergleiche zur PR-Masche dazu. Aber im Fall „Sommer der Nacht“ von Dan Simmons ist es eher von Nachteil. Der Roman ist gruselig, erzählt von Freundschaft und namenlosen Schrecken, kann aber zu keinem Zeitpunkt mit „Es“ mithalten. Trotzdem ist es ein lesenswertes Buch, sobald man sich durch die ersten 200 Seiten gekämpft hat. Mit „Im Auge des Winters“ gibt es eine Fortsetzung.

7/10 Schulhäuser

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Sommer der Nacht – Band 1
Reihe: Elm Haven
Originaltitel: Summer of Night
Autor: Dan Simmons
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453565050
Erscheinungsjahr: 1992
Seitenzahl: 800

„Sommer der Nacht“ und „Im Auge des Winters“ sind keine richtige Reihe, gehören aber inhaltlich zusammen und sind auch als Sammelband unter dem Namen „Elm Haven“ bei Heyne erschienen.

2 Comments

  • Robert

    Ich liebe Bücher und auch Filme, bei denen der Leser oder Zuschauer behutsam und ausführlich mit den Akteuren und ihrem Umfeld vetraut gemacht wird. Ich kann mich so gut in das Szenario rein versetzen. Mag sein, dass es in diesem Roman etwas lang geraten ist, allerdings nimmt der roman nach dieser langen Eröffnung richtig Fahrt auf. Es ist wie bei einer Achterbahn, bei der auf den langen und langsamen Aufstieg ein rasantes, lang andauerndes Furioso folgt. Der flüssige Schreibstil trägt mit zum ungetrübten Lesevergnügen bei, so dass ich durchaus zur Bewertung noch ein Schulhaus hinzufügen möchte.

    Viele schauerliche Grüße
    Robert

    • Tina

      Den Vergleich mit der Achterbahn finde ich klasse. Mir hatte der Roman leider die eine Schraube und den einen Looping zu wenig. 😀 Aber das ist ja auch Geschmackssache.

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