Cover Dean Koontz: Der Geblendete. Foto: Heyne
Horror

Dean Koontz: Der Geblendete

Über 500 Millionen verkaufte Bücher – das sind Zahlen, von denen viele Autoren ihr ganzes Leben nur träumen können. Der US-amerikanische Autor Dean R. Koontz hat das geschafft. Er gehört zu den meistgelesenen Phantastik-Autoren. Im Jahr 2000 erschien „From the Corner of His Eye“ in den USA und zwei Jahre später unter dem Titel „Der Geblendete“ in Deutschland.

Ein blinder Junge, ein kleines Mädchen und ein Killer

Wenn es einen Mann ohne Gewissen gibt, dann ist es Junior Cain. Die Lust am Töten treibt ihn voran, er ist skrupellos und verschlagen. Und es bereitet ihm große Freude, sich am Leid anderer zu ergötzen. Dafür geht er gerne auch über Leichen. Als ihn plötzlich Albträume von einem Kind mit dem Namen Bartholomew plagen, beginnt Junior Cains gnadenlose Suche nach diesem Jungen.

Denn Bartholomew existiert tatsächlich. Er ist ein überdurchschnittlich intelligenter Junge voller Empathie und Vernunft. Und er ist seit seinem dritten Lebensjahr blind. Ein Wahrsager verspricht ihm eine Zukunft voller Glück und Reichtum, aber auch einen unbarmherzigen Feind. Bartholomew kann nicht ahnen, dass dieser Feind in Form von Junior Cain bereits auf der Suche nach ihm ist.

Und da sind noch Celestina und ihre Nichte Angel. Angel entstand aus einer Vergewaltigung von Celestinas Schwester, die die Geburt nicht überlebte. Und Celestina fürchtet nun, der Vergewaltiger könne zurückkommen und das Leben, das er gezeugt hat, wieder zerstören wollen. Sie wird das dreijährige Mädchen mit allen Mitteln beschützen.

Die Schicksale dieser Menschen sind miteinander verbunden. Angst, Schmerz und Tod erwartet sie – bis Junior Cain sein Werk vollbracht hat oder aufgehalten werden kann.

Viel Potenzial beim Psychopathen verschwendet

Fangen wir mal mit den positiven Aspekten des Romans an. Zunächst mal ist das gelbe Cover ein absoluter Eyecatcher und sieht total cool aus. Und auch Koontz’ Fähigkeit, auch schwierige Zusammenhänge leicht verständlich zu erklären, hat mich mal wieder überzeugt.

Und dann hört es leider auch schon auf. Es tut mir von Herzen leid, aber für mich war „Der Geblendete“ so überhaupt gar nichts. Ich habe schon andere Bücher von Koontz gelesen und bin noch nie so derart enttäuscht gewesen wie bei diesem hier. Denn was der Bestseller-Autor hier abliefert, bleibt weit unter seinen Möglichkeiten. Gerade sprachlich ist das unter dem gewohnten Koontz-Niveau.

Die ersten 200 Seiten waren noch sehr vielversprechend. Man lernt die Charaktere kennen, vor allem den Psychopathen Junior Cain, und man ist gespannt, wann die Protagonisten nun aufeinandertreffen und es richtig losgeht. Und dann plätschern die einzelnen Handlungsstränge erst mal nur vor sich hin. Von Spannung weit und breit nichts zu sehen (bzw. zu lesen). Selbst als die Figuren endlich zueinander finden und der Showdown beginnt, kann der Roman keine Schippe drauflegen. Vielleicht hätten 300 Seiten weniger der ganzen Sache gutgetan.

Hinzu kommt, dass auch die Figuren weitgehend uninteressant bleiben. Vor allem Junior Cain, der so viel Potenzial gehabt hätte, und seine Gedankengänge konnten mich überhaupt nicht überzeugen. Zu platt, zu farblos, zu belanglos wirkt der große Bösewicht – und mit ihm steht und fällt nun mal ein Roman wie „Der Geblendete“. Und letzten Endes sind die übernatürlichen Elemente, die mit eingewoben werden, nicht glaubwürdig und wirken wie zurechtgebogen.

Schwächster Koontz-Roman

Leider war „Der Geblendete“ von Dean Koontz für mich der bislang schwächste Roman des Autors, und das mit weitem Abstand. Platte Figuren, fehlende Spannung und eine unnötig in die Länge gezogene Geschichte bilden eine schwache Mischung, die einfach nur mit „belanglos“ umschrieben werden kann. Sehr schade!

3/10 Geblendete

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Der Geblendete
Originaltitel: From the Corner of his Eye
Autor: Dean Koontz
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453869950
Erscheinungsjahr: 2002
Seitenzahl: 896

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