Cover Donna Leon: Blutige Steine. Cover: Diogenes
Krimi

Donna Leon: Blutige Steine

Ich muss es gleich vorweg sagen, ich bin nicht der große Fan von Krimi-Reihen. Trotzdem lese ich Krimis hier und da immer wieder ganz gerne. Von der US-amerikanischen Autorin Donna Leon hatte ich auch noch nichts gelesen, also wollte ich Commissario Brunetti mal eine Chance geben. „Blutige Steine“ aus dem Jahr 2006 ist der 14. Teil der Reihe, mittlerweile gibt es ungefähr 30. Ein gefundenes Fressen also für Krimi-Vielleser!

Rassistisch motivierte Tat?

Commissario Guido Brunetti ist mit Leib und Seele Venezianer. Hier in Venedig lebt und arbeitet er. Als ein afrikanischer Straßenhändler – diese werden „vucumprás“ genannt – mitten auf einem Platz voller Menschen erschossen wird, ruft dieses Verbrechen den Commissario auf den Plan. Denn dieser Mord zieht einige Ungereimtheiten und Probleme mit sich.

Zum einen gibt es quasi keine Zeugen, obwohl sich eine große Menschenmenge auf dem Platz befand. Viele der Touristen sind schon weitergezogen, als die Polizei eintrifft, und auch die Kollegen des Opfers haben das Weite gesucht. Zum anderen wurde eine schallgedämpfte Waffe benutzt – als wären Profis am Werk gewesen.

Commissario Brunetti steht vor einem Rätsel. Handelt es sich um eine rassistisch motivierte Tat? War der afrikanische Straßenhändler, dessen Namen sie nicht einmal herausfinden können, jemandem in die Quere gekommen? Oder aus welchem Grund sollten zwei professionelle Mörder engagiert werden, um einen harmlosen Mann zu töten?

Bei seinen Ermittlungen stellt Brunetti rasch fest, dass dieses Verbrechen sehr viel weiter reicht, als auf den ersten Blick scheint. Spätestens, als der Commissario und sein Kollege Lorenzo Vianello Diamanten in der Wohnung des Opfers finden, ist klar, dass mächtige Leute diesen Mord in Auftrag gegeben haben.

Vitamin B bringt dich weiter

Mit dem Kriminalfall bin ich nicht richtig warm geworden. Sobald politische Intrigen mit verwoben werden, verliere ich das Interesse. Denn der Mord, der zunächst nach einer rassistisch motivierten Tat aussieht und somit schon jede Menge Potenzial gehabt hätte, zieht rasch immer größere Kreise. Eine internationale Verschwörung und korrupte Behörden, das ist alles schon hundertfach dagewesen und hier in „Blutige Steine“ auch einfach nicht spannend oder innovativ erzählt.

Auch dass Commissario Brunetti regelmäßig den Dienstweg missachtet, sondern lieber Freunde und Bekannte mit einbezieht, die ihm hier und da eine Tür öffnen, ist eigentlich eine gute Idee. Hier wird sie aber überstrapaziert. Für quasi jedes Problem, jede spezielle Frage hat Brunetti einen Experten zur Hand, der sofort helfen kann. Vielleicht liegt es daran, dass ich erst mit dem vierzehnten Band in die Reihe eingestiegen bin, aber zu oft werden größere Hürden auf diese Weise problemlos genommen.

Pluspunkte kann „Blutige Steine“ aber auch sammeln. Zum Beispiel mit den sympathischen Nebenfiguren, allen voran Brunettis Familienmitglieder, die immer wieder mit eingebunden werden. Oder mit dem angenehmen Schreibstil, der sich flüssig und leicht weglesen lässt. Oder mit den Beschreibungen des italienischen Essens, die voll meinen kulinarischen Nerv getroffen haben.

Eher für Fans empfehlenswert

Leserinnen und Leser, die Commissario Brunetti bereits kennen, werden auch ihren Spaß mit dem vierzehnten Fall des italienischen Ermittlers haben. Für mich war der Quereinstieg in die Reihe ohne das Vorwissen über die Charaktere und ihre Eigenheiten eher schwierig. Der Fall ist zu konstruiert, will zu viel und zeigt zu wenig. Da gibt es sicher bessere Bände der Reihe.

5/10 Vucumprás

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Blutige Steine
Reihe: Commissario Brunetti – Band 14
Originaltitel: Blood from a Stone
Autor: Donna Leon
Verlag: Diogenes
ISBN: 9783257236651
Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 368

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