Cover Francois Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? Foto: Heyne
Sachbuch

François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?

Wer noch keinen Film von Alfred Hitchcock gesehen hat, der hat zumindest schon mal seinen Namen gehört. Hitchcock ist einer der größten Filmemacher aller Zeiten. An über 50 Filmproduktionen war der 1980 verstorbene Brite beteiligt. Dieses Œuvre beeinflusst die Filmemacher bis heute. In „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ stellt sich Hitchcock den Fragen seines berühmten Kollegen François Truffaut. Denn wer könnte mit dem Großmeister besser über Filme und Filmemachen sprechen als ein anderer berühmter Regisseur?

1966 erschien das Buch zum ersten Mal und wurde seither in zahlreichen Fassungen und Auflagen auf den Markt gebracht. Im Lauf der Jahre kamen zu den Interviews auch Briefwechsel und transkribierte Gespräche zwischen den befreundeten Regisseuren hinzu. Bis heute gilt es als wichtigstes Werk über Hitchcocks Arbeit und sein Leben. Meine Ausgabe stammt von 2003 und ist, wenn ich mich nicht irre, immer noch die aktuellste. Da beide Regisseure bereits verstorben sind, werden künftige Überarbeitungen vermutlich nur marginal ausfallen.

Zwei Großmeister im Dialog

„Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ beginnt mit einem Vorwort zur vollständigen Ausgabe von 1983 (nur ein Jahr später starb der Franzose Truffaut) und dem Originalvorwort aus dem Jahr 1966. Der Inhalt ist in sechzehn Kapitel aufgeteilt. Die Interviews, Briefwechsel und Unterhaltungen sind in ihrer Entstehung chronologisch sortiert.

Die beiden Großmeister des Filmemachens greifen so ziemlich jedes Thema auf, das Alfred Hitchcock in irgendeiner Weise bei seiner Arbeit inspiriert hat. Es geht um sein Leben, von der Kindheit angefangen bis zu den Phasen seiner größten Erfolge, um seine Ängste und Ansichten. Der Schwerpunkt der Gespräche liegt aber natürlich immer und jederzeit auf dem Cineastischen. Denn kaum ein Regisseur hat derart akribisch gearbeitet wie Hitchcock und kaum jemand zeigte so ein Gespür für unterschwellige Spannung, das klassische Suspense.

So lernen die Leser Hitchcocks Arbeitsmethoden kennen, seine Marotten am Set, seine Stärken und Schwächen, seine für ihn größten Filmmomente. Sie unterhalten sich über Hitchcocks Eigenart, in jedem seiner Filme einen kurzen Auftritt vor der Kamera zu haben, ebenso wie über bestimmte Filmszenen und allgemeine cineastische Themen.

Ergänzt wird das Buch von Fotos zu Filmszenen, ein paar wenigen Privatfotos, einem Nachwort, einer Filmo- und Bibliografie sowie einem Register.

Unterhaltsame Fachsimpeleien

Es ist einfach wahnsinnig spannend, Truffaut dabei zu verfolgen, wie er das Mysterium Hitchcock Stück für Stück zu enträtseln versucht. Wie sich da zwei absolute Experten ihres Fachs über diverse cineastische Themen unterhalten, manchmal regelrechte Schlagabtäusche liefern und fast beiläufig ihr geballtes Fachwissen beweisen, ist schon großes Kino.

Es ist allerdings von Vorteil, sich vor dem Lesen schon mit Filmtheorie im Allgemeinen und Hitchcocks Filmen im Besonderen auseinandergesetzt zu haben. Interviewer und Interviewter schlagen einen lockeren Tonfall an und dozieren auch nicht auf Fachchinesisch. Aber es hilft ungemein, ein gewisses Grundwissen mitzubringen. Manchmal erinnern die Dialoge – denn das sind die Frage-und-Antwort-Spiele meistens – eher an die unterhaltsamen, beiläufigen Fachsimpeleien zweier Cineasten.

Am Ende der knapp über 400 Seiten war ich auf jeden Fall ein ganzes Stück schlauer, was Alfred Hitchcock und sein Leben und Wirken, aber auch was das weite Feld Filme im Allgemeinen, Truffaut und nicht zuletzt Hitchcocks Machwerke (auch die unbekannteren) angeht. Auch für Laien sind die meisten Infos gut verständlich aufbereitet, was nicht zuletzt an den beiden Regisseuren liegt. Denn deren Leidenschaft für ihr Metier springt nahezu aus jeder Zeile. Und vor allem lernt man vieles quasi nebenbei, was man sich sonst aus trockenem Lehrwerk zusammensuchen müsste.

Ein Muss für Hitchcock-Fans

Wer sich selbst als Cineast*in bezeichnet und Alfred Hitchcock als Filmemacher feiert, kommt um „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ nicht herum. Unterhaltsame Anekdoten, geballtes Fachwissen über Filmtheorie, praktische Tipps zum Filmemachen, kluge Wortwechsel zwischen zwei Meistern ihres Fachs – das Buch bietet eine Hülle und Fülle an interessanten Infos. Ein ähnliches Werk wird es so schnell einfach nicht mehr geben.

9/10 Gespräche unter Kollegen



Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?
Originaltitel: Le Cinéma selon Hitchcock
Autor: François Truffaut
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453861411
Erscheinungsjahr: 1966
Seitenzahl: 410

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.