Cover Funke/del Toro: Das Labyrinth des Fauns. Foto: Fischer
Fantasy

Funke / del Toro: Das Labyrinth des Fauns

Im Jahr 2006 feierte Regisseur Guillermo del Toro einen großen Erfolg mit dem düsteren Fantasy-Drama „Pans Labyrinth“, der die Geschichte eines jungen Mädchens in den Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs erzählt. Der Film räumte mehrere wichtige Preise ab, darunter drei Oscars für Kamera, Szenenbild und Make-up. 2019 veröffentlichten del Toro und die wunderbare Cornelia Funke den Roman zum Film. Ich war neugierig auf den umgekehrten Weg, aus einem Film ein Buch zu machen, und musste „Das Labyrinth des Fauns“ unbedingt lesen.

Zwischen bitterer Realität und grausamer Fantasie

Wir schreiben das Jahr 1944. Das Mädchen Ofelia ist unglücklich. Es ist noch nicht lange her, dass sie ihren Vater verlor. Und nun ist sie mit ihrer Mutter auf dem Weg zu jenem Mann, der ihr neuer Stiefvater werden soll. Capitán Vidal ist jedoch das genaue Gegenteil ihres Vaters: Er ist ein kalter und grausamer Mann, ein Soldat ohne Gewissen und ohne Skrupel. Der einzige Grund, warum er Ofelias Mutter zur Frau nimmt, ist sein ungeborenes Kind unter ihrem Herzen.

Eine Mühle mitten im dichten Wald ist der Stützpunkt des Capitáns, der mit seinen Soldaten auf der Jagd nach Rebellen ist. Noch nie in ihrem Leben hat sich Ofelia so einsam und verlassen gefühlt. Bis sie in jenem dunklen Wald ein wundersames Wesen trifft: einen uralten Faun, der ihr erzählt, dass sie eine verlorene Prinzessin ist. Sie muss drei Prüfungen bestehen, um in ihr Königreich zurückkehren zu können. Und Ofelia setzt alles daran, diese Prüfungen zu bestehen.

Ein dunkles Märchen für Erwachsene

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Gleich vorweg: Die „Verbuchung“ des Films hat wunderbar funktioniert! Cornelia Funke erzählt ein dunkles Märchen für Erwachsene, das noch eine ganze Weile nachhallt.

Vor dem Lesen habe ich einige Kritiken gelesen, die sich darüber empört haben, der Roman sei angeblich zu brutal. Und da muss ich ganz klar sagen: Leute, informiert euch vorher! Nur weil Cornelia Funke für ihre fantastischen Kinder- und Jugendbücher bekannt ist, muss doch nicht jedes ihrer Bücher für jüngere Leser geeignet sein!

Denn wenn „Das Labyrinth des Fauns“ eines ist, dann definitiv ein Buch für Erwachsene. Sowohl der Hintergrund des Spanischen Bürgerkriegs als auch die Melancholie, die in nahezu jeder Szene spürbar ist, sprechen eine deutliche Sprache. Apropos Sprache! Was Cornelia Funke hier zaubert, ist einfach bewundernswert. In einem poetischen, sehr bildhaften Stil zieht sie ihre Leser unweigerlich in diese Geschichte.

Auf eine ganz bittersüße Weise hofft und fiebert man auf dem Weg der jungen, naiven Ofelia mit. Einzelne Kapitel erzählen jeweils ein Märchen, die alle irgendwie mit der Haupthandlung verwoben sind. Und diese Mischung aus bitterer, grausamer Realität und wundersamem, manchmal auch grausamem Fantasiereich, die auch im Film perfekt funktioniert, ist wie geschaffen für einen Roman.

Und als wäre der Inhalt nicht schon bezaubernd genug, setzt die Aufmachung noch einen drauf. Das Cover ist wunderschön, selbst ohne den Schutzumschlag, und atmosphärische Illustrationen bebildern hier und da die Geschichte.

Wunderbare „Verbuchung“

Ich bin verliebt! Und zwar so richtig! „Das Labyrinth des Fauns“ ist jetzt im Februar schon eins meiner Jahreshighlights. Für mich persönlich funktioniert der Roman noch besser als der Film. Cornelia Funke hat ein poetisches, philosophisches, spannendes und melancholisches Stück Literatur erschaffen, das mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

9/10 Märchen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Das Labyrinth des Fauns
Originaltitel: Pan’s Labyrinth: The Labyrinth of the Faun
Autor: Cornelia Funke und Guillermo del Toro
Verlag: S. Fischer Verlag
ISBN: 9783737356664
Erscheinungsjahr: 2019
Seitenzahl: 318

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