Graham Masterton: Fleisch & Blut. Cover: Festa
Horror

Graham Masterton: Fleisch & Blut

Den Kennern unter euch verrate ich nichts Neues: Der Festa Verlag legt seit einigen Jahren die Reihe „Pulp Legends“ auf. Horrorromane aus den 70er, 80er und 90er Jahren, die aus der breiten Masse durch Originalität, Blutigkeit oder ein anderes Merkmal besonders hervorstachen, aber nie in Deutschland verlegt wurden. „Fleisch & Blut“ des englischen Horrorautors Graham Masterton gehört dazu und erschien im Herbst letzten Jahres im Verlagsprogramm.

Tote Kinder und monströse Schweine

Terence Pearson sitzt im Gefängnis; ihm soll der Prozess gemacht werden. Sein Vergehen: Er hat seine drei Kinder getötet. Galt er bislang als liebender Ehemann und Vater, erscheint diese Tat schier unglaublich. Sheriff Luke Friend versucht, den bestialischen Morden auf den Grund zu gehen. Was hat Terence zu dieser grausigen Tat bewegt? Ist er einfach verrückt geworden?

Je tiefer Sheriff Friend in die Ermittlungen eintaucht, desto unglaublicher wird es. Weitere Leichen tauchen auf, teilweise brutal verstümmelt oder ausgeweidet. Und eine Legende aus Europa scheint mit den Morden zusammenzuhängen. Aber wie viel Wahrheit steckt in dieser alten Legende?

Zur gleichen Zeit in einem Forschungszentrum nicht weit entfernt: Obwohl Demonstranten die Einstellung der Tierversuche fordern, experimentieren Wissenschaftler hier daran, menschliche und tierische Genetik zu verbinden. Das Versuchsobjekt ist ein monströs riesiges Schwein namens Captain Black. Ihm wird die DNA eines toten Kindes eingepflanzt – nämlich das von Terence’ ermordetem Sohn George.

Doch dieser bahnbrechende Schritt für Wissenschaft und Forschung setzt eine blutige Folge von Ereignissen in Gang, die kaum mehr aufzuhalten ist.

Trashig, blutig, ernst

Es war tatsächlich mein allererstes Buch von Graham Masterton, den ich nur dem Namen nach kannte. Und was für eins das war! 1994 erstmals erschienen, hat es nun ganze 27 Jahre gedauert, bis „Fleisch & Blut“ auch uns in Deutschland erreicht hat. Da sieht man mal wieder, dass viele deutsche Verlage einen Eiertanz um das Horrorgenre herum aufführen. Wobei sich das zum Glück mittlerweile stark verbessert hat. Aber ich schweife ab.

Zwischendurch waren meine Befürchtungen groß, dass „Fleisch & Blut“ aufgrund der Thematik ins Lächerliche und Alberne abdriften könnte. Man stelle sich vor, ein wild gewordenes, mordlüsternes Riesenschwein mit dem Verstand eines Dreijährigen – das klingt schon richtig trashig. Aber was Masterton daraus zaubert, hat mich total überrascht.

Vor allem wie die Handlungsstränge ineinander verflochten werden, hat verdammt gut gepasst. Da sind Terence’ bizarre Morde an den eigenen Kindern, da sind Genexperimente an wehrlosen Tieren, da versuchen Politiker das Beste für sich aus der Sache herauszuholen. Mythen und moderne Wissenschaft vermengen sich zu einem spannenden Plot, der blutig, brutal und äußerst unterhaltsam ist.

Dabei schlägt die Story auch ein paar unerwartete Haken. Okay, stellenweise ist das Ganze wirklich etwas trashig geraten, aber das ist nicht abwertend gemeint. Die Mischung aus Trash, Gore und ernsten Themen hat gut funktioniert.

Hebt sich aus dem Horror-Einheitsbrei ab

Es ist ein düsteres, ein blutiges, ein gnadenloses Buch, das Graham Masterton uns hier serviert. „Fleisch & Blut“ hat mit Leichtigkeit den grauen Einheitsbrei an durchschnittlichen Horrorromanen durchbrochen und mir teuflischen Spaß bereitet. Ein auf Papier gebannter B-Movie-Spaß – und zwar von der richtig guten Sorte!

8/10 genmanipulierte Riesenschweine

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Fleisch & Blut
Originaltitel: Flesh and Blood
Autor: Graham Masterton
Verlag: Festa
ISBN: keine vorhanden
Erscheinungsjahr: 2021
Seitenzahl: 656

„Fleisch & Blut“ gibt es im Hardcover derzeit nur direkt beim Verlag zu kaufen.

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