Cover Greg Iles: Leises Gift. Foto: Bastei Lübbe
Thriller

Greg Iles: Leises Gift

Wer Action in einem Thriller nicht abgeneigt ist, der sollte mal einen Roman von Greg Iles lesen. Der US-amerikanische Autor hat ein Faible für Werke, in denen es hoch her geht. 2006 erschien „True Evil“, das 2010 in Deutschland unter dem Titel „Leises Gift“ veröffentlicht wurde. Der Actionthriller gehört zu den Einzelbänden des Autors, der unter anderem für seine „Penn Cage“-Reihe bekannt ist.

Ein Drama jagt das nächste

Das Leben der FBI-Agentin Alex Morse gleicht einer Achterbahn – die sich auf dem Weg nach unten befindet. Gerade eben erst wurde sie vom FBI in Zwangsurlaub geschickt, nachdem eine Geiselnahme unter ihrer Verantwortung nicht erfolgreich verlief. Und jetzt liegt ihre Schwester Grace, die sich eigentlich bester Gesundheit erfreut hat, unerwartet im Sterben und beschuldigt noch im Krankenhaus ihren Ehemann Bill, dafür verantwortlich zu sein.

Alex muss jetzt alles daransetzen herauszufinden, ob diese Anschuldigungen wahr sind. Denn wenn es stimmt, was Grace vor ihrem Tod gesagt hat, dann ist auch der kleine Jamie, Grace’ Sohn und Alex’ Neffe, ebenfalls in Gefahr. Obwohl sie nicht arbeiten darf, geht Alex auf eigene Faust dieser Sache nach.

Ihre Suche führt die beurlaubte FBI-Agentin erst zu einem ominösen Scheidungsanwalt und weiter zu einem Arzt namens Chris Shepard, der offenbar als Nächstes auf der Todesliste steht. Alex setzt alles daran, diesen Shepard zu finden und zu warnen – wenn er ihr überhaupt Glauben schenkt.

Iles spaltet die Leserschaft

Ich sage es gleich: Greg Iles’ Romane sind nicht jedermanns Sache. Zu platt, zu unlogisch, zu schwarzweiß sagen die einen. Actionreich, unterhaltsam, spannend sagen die anderen. Ich bewege mich irgendwie genau zwischen beiden Lagern.

Einerseits macht „Leises Gift“ viel Spaß. Haarsträubende Ereignisse reihen sich aneinander – allein was Alex Morse alles erleiden muss, würde genug Stoff für mehrere Romane bieten. Auch die Grundidee der Story kann überzeugen: seinen Ehepartner mit medizinischen Tricks zu „entsorgen“, ist ganz schön fies. Und vor allem ab dem zweiten Drittel nimmt der Roman ziemlich an Fahrt auf und kann bis zum Finale prima unterhalten.

Aber diese Schwarzweiß-Malerei ist so gar nicht mein Fall. Überdeutlich wird gezeigt, wer die Guten und wer die Bösen sind. Die Bösen sind genial, fies und attraktiv, und die Guten sind leidenschaftlich, nett und, ja, auch attraktiv. Dadurch bleiben die Charaktere auch ein bisschen leblos und schablonenhaft.

Ob Alex, die trotz entstellender Narben umwerfend schön ist und mit dieser „Du musst nur fest genug daran glauben, dann schaffst du alles“-Mentalität durchs Leben zieht, oder der Oberbösewicht, der klug, heimtückisch und verachtenswert ist. In dieser Hinsicht gibt es einfach keine Überraschungen, keine unerwarteten Wendungen.

Typisch amerikanisch

Typisch amerikanisches Gut gegen Böse, so lässt sich „Leises Gift“ von Greg Iles wohl am ehesten beschreiben. Wer den Stil des Autors mag, wird voll auf seine Kosten kommen. Mir persönlich haben komplexere Charaktere und eine in sich schlüssige, glaubwürdige Handlung gefehlt, um eine bessere Bewertung zu geben.

5/10 American Dreams

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Leises Gift
Originaltitel: True Evil
Autor: Greg Iles
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 9783404159673
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenzahl: 608

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angeltearz liest

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