Henri Faber: Ausweglos. Cover: dtv
Thriller

Henri Faber: Ausweglos

Überall, wohin ich schaue, stolpere ich über das Cover von „Ausweglos“: auf Blogs und beim großen bösen A, bei Bookstagram und letztlich auch im Wohnzimmer meiner Eltern. Und da mein Vater es schon zu Ende gelesen hatte, habe ich mir das gute Stück geschnappt. Immerhin wollte ich endlich wissen, was dran ist an dem Hype um Henri Fabers Thriller „Ausweglos“. Also wurde dieses Buch mein Jahresabschluss für 2021.

Der Ringfinger-Mörder ist zurück

Vor einigen Jahren wütete ein Serienmörder durch Hamburg. Seine Handschrift war eindeutig: Seine Opfer waren ausnahmslos Frauen, die er mit gezielten Stichen tötete, er trennte ihnen den Ringfinger ab, und an jedem Tatort war das Wort „Lügenweib“ zu lesen. Doch obwohl sämtliche Ressourcen der Hamburger Polizei in den Fall gesteckt wurden, konnte der Killer nicht gefasst werden. Er verschwand einfach.

Kommissar Elias Blom, damals federführend in diesem Fall und danach strafversetzt, wird hellhörig, als man ihn zu einem Tatort ruft. Denn dort erinnert alles an den Serienkiller, den die Medien den „Ringfinger-Mörder“ betitelt haben. Elias soll in die Mordkommission zurückkehren, um seine Kollegen mit seiner Erfahrung zu unterstützen.

Und diesmal scheint die Polizei endlich Glück zu haben: Denn Noah Klingberg, ein Nachbar des letzten Opfers, wurde bewusstlos in der Wohnung der Toten gefunden. Er ist der erste Zeuge, der ihnen im Fall des Ringfinger-Mörders weiterhelfen kann. Doch Noah und seine Frau Linda haben ganz eigene Probleme …

Viel Licht und Schatten

Zunächst mal mochte ich, dass die Kapitel in verschiedenen Ich-Perspektiven verfasst wurden: zum einen aus Sicht der drei Protagonisten Elias, Noah und Linda, zum anderen aus Sicht des Killers, was eigentlich ein cooler Kniff ist. So erfährt man vieles über die Beweggründe der Figuren, ihre Gedanken und Ansichten.

Doch bei dem Pärchen Noah und Linda passiert lange Zeit nichts. Vor allem Lindas Kapitel empfand ich als zäh und langatmig. Hin und wieder sorgt dieses Springen zwischen den Perspektiven für Spannung und neue Verdächtigungen, aber viel zu viel Zeit wird auf die Beziehung zwischen Noah und Linda aufgewandt. Mir ist klar, dass sie einen wichtigen Aspekt des Buches darstellt, aber sie hat das Ganze auch stellenweise unnötig aufgebläht.

Die Passagen mit Elias waren meistens am interessantesten: Der eigentliche Fall, in dem er ermittelt, fällt recht klassisch aus, aber hier passiert regelmäßig was, seien es neue Hinweise oder neue Verdächtige, die die Story vorantreiben. Und die Auflösung des Mordes war ebenfalls klasse. Ich hatte so was in der Richtung geahnt, aber die Umsetzung hat mir gut gefallen. Nur die allerletzte große Wendung hat mir das Finale von „Ausweglos“ madig gemacht. Das Ganze wurde mir dann doch zu unglaubwürdig und kam aus dem Nichts. Die Beweggründe des Killers haben mich nicht überzeugt, waren viel zu simpel für sein Handeln.

Was den Thriller trotz all meiner kleineren und größeren Kritikpunkte lesenswert macht, ist Fabers Schreibstil. Das Ganze liest sich wie ein niedergeschriebener Film und der Autor würzt seinen Roman mit genau der richtigen Portion trockenen Humors. Mein persönliches Highlight war ein Kapitel, in dem Elias, Noah und Linda gleichzeitig bzw. parallel agieren, was sprachlich miteinander verbunden wurde – das war toll umgesetzt!

Lesenswerter Thriller mit Abzügen in der B-Note

Auch wenn ich nicht bei den Lobeshymnen mit einsteigen kann, die allerorten auf „Ausweglos“ gesungen werden, hatte ich eine gute Lesezeit. Henri Fabers Schreibstil hat mich überzeugt. Da konnte ich gut über die eine oder andere Schwäche bei Plot und Hauptfiguren und über manch langgezogene Stelle hinwegsehen.

6/10 Ringfinger-Mörder

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Ausweglos
Autor: Henri Faber
Verlag: dtv
ISBN: 9783423219778
Erscheinungsjahr: 2021
Seitenzahl: 496

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