Cover Jack Ketchum: Beutezeit. Foto: Heyne Hardcore
Horror

Jack Ketchum: Beutezeit

Jack Ketchum gehört neben Stephen King, Richard Laymon und Dean Koontz zu den wohl beliebtesten Horrorautoren unserer Zeit. Und das zu Recht: Mit Dutzenden von veröffentlichten Romanen, Millionen verkaufter Bücher und diversen Verfilmungen erfreut sich der US-Amerikaner auch nach seinem Tod 2018 noch immer großer Bekanntheit. „Beutezeit“ war sein Debütroman aus dem Jahr 1979.

Abgründe des menschlichen Daseins

Carla kann es kaum erwarten: Bald werden ihre Freunde in der gemütlichen kleinen Blockhütte eintreffen, die sie über den Sommer gemietet hat. Fernab der Zivilisation und inmitten der herrlichen Wildnis wollen die sechs, darunter auch Carlas Schwester schüchterne Marjorie, ihr Exfreund Nick und ihre neue Flamme Dan, ein paar entspannte Tage in der Natur zusammen verbringen.

Doch es soll anders kommen. Keiner der sechs ahnt, dass in den Wäldern nahe der Küste eine Gruppe von verwahrlosten, primitiven Männern, Frauen und Kindern haust. Es sind keine Hinterwäldler, keine Rebellen, keine Radikale. Es sind Kannibalen, die nur leben, um sich fortzupflanzen, zu schlafen … und zu essen. Und Carla und ihre Freunde landen ganz oben auf der Speisekarte. Die Jagd kann beginnen!

Der ungekürzte Schrecken

Nur mit viel gutem Zureden seitens seiner Lektorin kürzte Jack Ketchum damals das Originalmanuskript zu seinem Debütroman „Beutezeit“ – der Verlag veröffentlichte die gekürzte Fassung und Ketchums großartige Karriere als einer der bekanntesten und beliebtesten Horrorautoren der USA begann.

Mittlerweile ist der Roman um eine Bande kannibalischer Wilder auch in ungekürzter Fassung erschienen. Und die hat es in sich: Ketchum beweist bereits mit seinem ersten Werk, dass er ein Meister des blutigen Schreckens ist. Weder geizt er mit detailreichen Ekelszenen noch mit einem deftigen Body Count. Die sechs Freunde, die eigentlich nur einen netten Urlaub miteinander verbringen wollen, leiden nahezu ununterbrochen und müssen mit allen Mitteln um ihr Leben kämpfen.

Dabei legt Ketchum in seinem Erstling den Schwerpunkt ganz klar auf den Gore-Effekt und weniger auf komplexe Figuren oder gar eine wendungsreiche Story. Das Gemetzel ist der Star der fast 300 Seiten. Das wird nicht jedem gefallen, ist aber unterhaltsam und kurzweilig, wenn man nicht zu zart besaitet ist. Und jeder fängt mal klein an: Immerhin verwöhnte Ketchum seine Leser mit späteren Highlights wie „Evil“, „Scar“ oder „Blutrot“.

Wer die gekürzte Fassung kennt, sollte auch die ungekürzte in Augenschein nehmen, wartet diese doch mit einem wesentlich fieseren Ende auf.

Solides Debüt mit Schwerpunkt Gemetzel

Jack Ketchums Debütroman „Beutezeit“ legt den blutigen Grundstein zu einer denkwürdigen Autorenkarriere. In seinen späteren Werken zeigt Ketchum mehr stilistische Finesse, Charakterzeichnung und Storytelling. Dennoch ist „Beutezeit“ ein bitterböser Ekelspaß, für den man der Splatterschiene nicht abgeneigt sein sollte.

6 von 10 Kannibalen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Beutezeit
Originaltitel: Off Season
Autor: Jack Ketchum
Verlag: Heyne Hardcore
ISBN: 9783453675070
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 288

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