Cover Jack Kilborn: Das Hotel. Foto: Heyne
Horror

Jack Kilborn: Das Hotel

Ein abgelegener Ort, den man nicht einfach wieder verlassen kann. Ahnungslose Opfer, die um ihr Leben kämpfen müssen. Bestialische Freaks, die Lust am Töten haben. Klingt nach guten Zutaten für ein Horrorbuch, oder? Dann wollen wir uns mal Jack Kilborns „Das Hotel“ näher anschauen.

Willkommen im Rushmore Inn!

Das Rushmore Inn ist ein ziemlich abgelegenes Hotel mitten in den Wäldern. Hier haust die Familie Roosevelt – die im Übrigen sehr stolz auf ihren klangvollen Familiennamen ist. Dass die meisten Familienmitglieder sich eher im Hintergrund halten, hat durchaus seine Gründe …

Die Roosevelts müssen nicht lange auf ihre nächsten Gäste warten. Eine Profisportlerin mit zwei Beinprothesen, ein Journalist und eine Familie bestehend aus Großmutter, Mutter und Tochter inklusive Familienhund suchen eine Übernachtungsmöglichkeit. Das Rushmore Inn öffnet seine Pforten für die neuen Gäste …

Wer hat Lust auf eine Runde Splatter?

Splatter-Fans werden bei Jack Kilborns „Das Hotel“ voll auf ihre Kosten kommen. Das Rushmore Inn entpuppt sich als Spielwiese einer inzestuösen Freak-Familie, die ihre Gäste nach allen Regeln der Kunst leiden lässt. Wer sich an den Roman heranwagt, sollte also einen robusten Magen und Lust auf Splatter ohne Ende haben.

Diese brutalen Gewaltorgien machen ziemlich Spaß – wenn man so etwas mag –, driften aber bisweilen ins Groteske und an manchen Stellen auch ins Alberne ab. Darunter leidet die Spannung, die im ersten Drittel des Buches noch überzeugen kann, wenn die Charaktere und das Szenario vorgestellt werden.

Denn eigentlich finden sich interessante Gäste im Hotel ein, mit denen man prima mitfiebern könnte: Deborah ist trotz des Verlusts ihrer Beine eine wehrhafte, selbstbewusste Frau. Die Großmutter der kleinen Familie hat sich im Lauf ihrer Lebens erstaunliche Fähigkeiten angeeignet. Und auch die männlichen Gäste, nämlich der Journalist sowie zwei Männer, die auf der Suche nach einer in der Nähe des Hotels verschwundenen Frau sind, kämpfen mit allen Mitteln um ihr Leben.

Dass diese vermeintlichen Opfer sich durchaus zu wehren wissen, liest sich erfrischend, aber auch hier schlägt Kilborn über die Stränge und macht aus den Gästen eine kleine Kampfeinheit, die mit nahezu jeder Situation umzugehen weiß. Klar ist es eine schöne Abwechslung zum sonstigen Kanonenfutter im Horrorgenre und macht den Kleinkrieg etwas ausgeglichener. Aber hier und da sind die Kampfkünste doch reichlich übertrieben.

Unterhaltsam, aber nicht denkwürdig

Spannung in der ersten, grotesker Splatter in der zweiten Hälfte: Mit „Das Hotel“ legt Jack Kilborn einen im Grunde tollen Horrorroman vor, der seine Stärken aber durch mitunter alberne Überspitzungen und viel zu wehrhafte Opfer verspielt. Ein unterhaltsamer Lesespaß, der schnell wieder vergessen ist.

5/10 Hotels

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Das Hotel
Originaltitel: Endurance
Autor: Jack Kilborn
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453528833
Erscheinungsjahr: 2011
Seitenzahl: 384

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