Cover Jochen Siemens: closeup. Foto: Pendragon
Drama

Jochen Siemens: closeup

Schon seit vielen Jahren arbeitet Jochen Siemens als Reporter, unter anderem für den „Stern“. In der Modewelt, über die er häufig schreibt, kennt er sich bestens aus, hat zahlreiche Persönlichkeiten des Fashion-Business kennengelernt. Diese Erfahrungen ließ er in seinen Roman „closeup“ einfließen, der im Pendragon Verlag erschienen ist.

Ein scheinbar perfektes Leben

Es ist der Traum vieler junger Mädchen, in Modezeitschriften, Werbespots und auf den Laufstegen dieser Welt zu sehen zu sein. Eine Karriere als Model im Rampenlicht einer schönen Glitzerwelt genießen, schön und begehrenswert sein, die Modemetropolen besuchen, Partys mit Stars und Sternchen feiern …

Genau diesen Traum lebt Julia. Die junge Frau hat es geschafft, wovon viele andere nur träumen. Sie ist ein angesagtes Model, das regelmäßig von Fotografen gebucht wird, auf den Laufstegen Kleider präsentiert und Werbespots dreht.

Dass sie dieses scheinbar so schöne Leben nur mit Hilfe von Alkohol und Drogen bewältigen kann, wissen die wenigsten. Wodka und Kokain helfen ihr durch die stressigen Tage voller oberflächlicher und falscher Menschen, die nur auf ihre eigene Karriere bedacht sind.

Und dann ist da Nicolas. Nach einem Betrugsfall hat er einen hohen Schuldenberg angehäuft, seine Ehe steht kurz vor dem Aus und im Beruf sieht es auch düster aus. Auf einer Party lernt er Julia kennen und verliebt sich sofort in sie. Obwohl Julia kein großes Interesse an ihm zeigt, versucht Nicolas ihre Aufmerksamkeit und ihr Herz zu gewinnen.

Zufälle, Klischees und zu wenig Hirnschmalz

Was da an Zufällen zusammenkommt, die Nicolas bei seiner Suche nach dem Glück helfen, ist fast schon unglaublich. Eine bezahlbare Wohnung in Paris und aus dem Nichts ein Job in Hollywood – realitätsferner geht es kaum. Klar, es ist ein Roman, da muss man nicht alles so eng sehen.

Aber hinzu kommt noch eine Extraportion Klischee. Von Drogenpartys mit halbnackten Girls über passive Models, die so ziemlich alles über sich ergehen lassen, bis hin zu seltsamen Foto-Shootings mit noch seltsameren Fotografen ist fast alles dabei.

Es ist ja nicht so schlimm, wenn die schöne Welt der Models etwas übertrieben dargestellt wird. Aber man bekommt mit „closeup“ in etwa so viel Einblick in die Branche, als wenn man die „Gala“ liest. Alles bleibt furchtbar oberflächlich und wirkt dadurch wenig glaubwürdig.

Hier wird nichts enthüllt, was man nicht schon irgendwoher kennt, es gibt keine Überraschungen, und die Pseudo-Liebesgeschichte zwischen Julia und Nicolas kann erst recht nicht überzeugen. Keiner von beiden dient als Sympathieträger, man will sie vielmehr ständig schütteln und ihnen etwas Hirn eintrichtern.

Und einen Minuspunkt muss ich für die Zahl der Rechtschreib- und Kommafehler geben, die sich im Text finden. Da wäre etwas mehr Sorgfalt wünschenswert gewesen.

closeup oder GNTM?

Klischees ohne Ende, eine unglaubwürdige Liebesgeschichte und eine mit zahlreichen Zufällen schwach konstruierte Story: „closeup“ hat mir absolut gar nicht gefallen. Da kann ich mir genauso gut die nächste Staffel Germany’s Next Top Model anschauen (gell, Lisa?) und habe ähnlich viele oder wenige Einblicke ins Business.

3/10 Klischees

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: closeup
Autor: Jochen Siemens
Verlag: Pendragon
ISBN: 9783865320612
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 342

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