Cover Joe Hill: Blind. Foto: Heyne
Horror

Joe Hill: Blind

Vermutlich kann Joe Hill die Vergleiche zu seinem Vater Stephen King nicht mehr hören. Dabei vergleicht man die beiden automatisch, wo sie sich doch beide im Horrorgenre bewegen. Mein erster Roman von Hill, „Teufelszeug“ (im Original „Horns“), konnte mich vor ein paar Jahren nicht wirklich überzeugen. Die Verfilmung mit „Harry Potter“-Darsteller Daniel Redcliffe habe ich mir gar nicht erst angesehen. Mit „Blind“ lese ich also meinen zweiten Hill. Und ich kann jetzt schon mal verraten: Das war eine klare Steigerung zu „Teufelszeug“.

Der Geist aus dem Internet

Judas Coyne, gefeierter Rockstar und Millionär, ist mittlerweile über 50. Da er sich nicht mehr mit Leib und Seele der Musik verschrieben hat, sucht er sich seinen Kick woanders. Und zwar im Sammeln von skurrilen und makabren Gegenständen: So besitzt er unter anderem eine Henkersschlinge, den Schädel eines Folteropfers und einen echten Snuff-Film.

Als sein persönlicher Assistent Danny ihn auf eine Auktion im Internet aufmerksam macht, bei der ein echter Geist versteigert wird, ist sofort Judas’ Interesse geweckt. Er kauft den Geist und erhält nicht lange darauf eine herzförmige Schachtel mit dem Sonntagsanzug des Toten. Und tatsächlich begegnet er kurz darauf auch dem Geist.

Aber schnell wird Judas klar, dass er sich damit ein todbringendes, rachsüchtiges Wesen ins Haus geholt hat, das nicht nur die Menschen in seinem Umfeld, sondern auch sein eigenes Leben bedroht. Der Geist will Rache für etwas aus Judas’ Vergangenheit – und der alternde Rockstar muss sich dieser Gefahr stellen oder sterben.

Das Ganze nimmt langsam Fahrt auf

Die Ausgangssituation klingt eigentlich ganz gut: Alternder Rockstar ersteigert einen Geist und wird diesen nicht mehr los. Trotzdem gestalteten sich die ersten 150 Seiten recht zäh für mich. Ich kann nicht einmal genau sagen, woran es lag. Da waren anfangs einfach noch kein Pep und kein Tempo drin. Klar, man muss erst mal die Charaktere und die Situation kennenlernen. Trotzdem war der Start in „Blind“ noch ziemlich zahm.

Spätestens, als Jude und seine Freundin Georgia zu ihrem Road Trip aufbrechen, um den Geist loszuwerden, ist aber endlich Leben in der Bude. Und dann so richtig! Die Gefahr ist allgegenwärtig und die beiden Ziele des rachsüchtigen Geistes müssen mehr als einmal dem Tod ins Auge blicken. Zudem kommen weitere übernatürliche Elemente wie zum Beispiel ein Ouija-Brett zum Einsatz, was für zusätzlichen Lesespaß sorgt. Und so entwickelt sich der Horrorroman mit Startschwierigkeiten doch noch zum Pageturner. Vielleicht fehlt es hier und da noch ein bisschen zum ganz großen Wurf, aber insgesamt hat mich „Blind“ gut unterhalten.

Wie der Verlag auf den deutschen Titel „Blind“ kommt, kann ich mir aber absolut nicht erklären. Der Originaltitel lautet „Heart-Shaped Box“ und diese herzförmige Schachtel hat auch ihren nicht ganz unwichtigen Auftritt im Roman. Der schlecht gewählte, weil total unpassende deutsche Titel ist jetzt kein Grund für einen Punktabzug, sorgt bei mir aber für dezente Verständnislosigkeit.

Pageturner trotz schwachen Starts

Nach einem eher behäbigen Romanbeginn nimmt „Blind“ rasant Fahrt auf und wird zum Pageturner. Dass in Joe Hills Arbeit noch Luft nach oben ist, merkt man dem Roman ebenso an wie sein unbestreitbares Talent, gute Geschichten zu erzählen. Und vielleicht tritt er tatsächlich irgendwann in die großen Fußstapfen seines Vaters.

7/10 herzförmige Schachteln

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Blind
Originaltitel: Heart-Shaped Box
Autor: Joe Hill
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453565128
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 430

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