Cover Jutta Limbach: Ausgewanderte Wörter. Foto: Hueber
Sachbuch

Jutta Limbach: Ausgewanderte Wörter

Man kennt das ja (nicht nur) mit den Anglizismen. Wenn es im Deutschen kein passendes Wort gibt, bedient man sich aus anderen Sprachen. Vom Abonnement über den Babysitter bis hin zu den Tapas gibt es zahlreiche Wörter im Deutschen, die eingedeutscht wurden. Allerdings geht dieses Phänomen auch den umgekehrten Weg. Prof. Dr. Jutta Limbach, die zu Lebzeiten Vorsitzende des Deutschen Sprachrats war, stellt in „Ausgewanderte Wörter“ eine Reihe an deutschen Begriffen vor, die sich in anderen Sprachen finden lassen.

Von Butterbrot bis Kaffepaussi

2006 eröffnete der Deutsche Sprachrat, eine der wichtigsten Institutionen für die deutsche Sprache, eine Ausschreibung mit der Aufforderung, deutsche Wörter zuzusenden, die in andere Sprachen übernommen worden waren. Über 6000 Einsendungen aus aller Welt, von Brasilien über Norwegen bis Australien, erreichten den Deutschen Sprachrat. Und ein kleiner Teil dieser Wörter ist in „Ausgewanderte Wörter“ versammelt.

Die Wörter werden kunterbunt gemischt vorgestellt, ohne thematische Gliederung. Da gibt es das „Butterbrot“, das im Russischen ebenfalls ein belegtes Brot bezeichnet – allerdings nicht mit Butter, sondern eher mit Wurst oder Kaviar bestückt. In Finnland macht man eine „Kaffepaussi“ und in Ungarn wird der „Schluck“ für den Zug an einer Zigarette umgedeutet. „Schubladiser“ ist im Französischen zu finden, „to schlep“ im Englischen. Auch Begriffe wie „Weltanschauung“, „Leitmotiv“ oder „Wunderkind“ haben sich in andere Sprachen gemogelt.

Jeder Beitrag beinhaltet die neue Schreibung des einst deutschen Wortes inklusive Aussprache und übernommener oder neuer Bedeutung. Auch die Einsender kommen zu Wort, ob Einheimische, die beim Lernen der deutschen Sprache eingedeutschte Wörter entdeckt haben, oder Urlauber, die während ihrer Reisen auf deutsche Begriffe gestoßen sind. Das sind mal kurze, knappe Erklärungen, mal witzige Anekdoten. Essays der Herausgeberin und ihrer Mitarbeiter über deutsche Wörter in fremden Sprachen, Fotos, ein Index und Bildnachweise runden den Inhalt ab.

Mal informativ, mal witzig

Viele Leute, vor allem die ältere Generation, schimpfen regelmäßig über all die Anglizismen in der deutschen Sprache. Dabei ist so ein linguistischer Austausch eigentlich ziemlich spannend. Und die meisten werden wohl kaum wissen, dass deutsche Wörter auch im Ausland in Gebrauch sind. Ich fand diese Zusammenstellung total spannend!

Die vorgestellten Einsendungen sind mal informativ, mal unterhaltsam und nicht selten auch komisch. Besonders klasse sind hier und da die „Beweisfotos“, zum Beispiel ein englischer Comic, in dem das Wort „Schadenfreude“ zu entdecken ist. Und auch die Essays zwischendurch liefern viele interessante Informationen.

Das einzige, was mir gefehlt hat, waren Erklärungen darüber, ob das entsprechende deutsche Wort tatsächlich im Alltag genutzt wird oder, wie etwa „Weltanschauung“, vor allem in fremdsprachiger Fachliteratur vorkommt oder nur über einen gewissen Zeitraum „in“ war. Solche Infos erfordern natürlich einen enormen Rechercheaufwand – spannend wäre es trotzdem gewesen.

Übrigens: Wer ein paar Euro sparen will, kann auch auf die Taschenbuch-Ausgabe von rororo zurückgreifen. Allerdings sieht das Buch dann nicht mehr ganz so schick aus und Fotos fehlen komplett.

Wörterreise

Leute, wenn ihr euch für die deutsche Sprache interessiert, solltet ihr einen Blick in „Ausgewanderte Wörter“ wagen. Mal interessant, mal witzig werden die ausgewanderten deutschen Wörter vorgestellt, die sich in anderen Sprachen weltweit festgesetzt haben. Viel Spaß beim Schmökern!

8/10 Auswanderungen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Ausgewanderte Wörter
Autor: Jutta Limbach
Verlag: Hueber Verlag
ISBN: 9783191078911
Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 144

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