Cover Kai Meyer: Der Speichermann. Foto: Splitter Verlag
Comic,  Phantastik

Kai Meyer: Der Speichermann

Kai Meyer gehört zu den bekanntesten deutschen Fantasy-Autoren. Zusammen mit der Illustratorin Jana Heidersdorf setzte er seine Kurzgeschichte „Der Speichermann“ als Comic um. Das Ganze erschien 2020 im Splitter Verlag als schöner Hardcover-Band.

Der Speichermann und die Schokolade

Ein kleiner Junge ist in dem riesigen Haus seiner Familie unterwegs. Er hat gerade erst seine Mutter verloren und will nicht mitansehen, wie ihr Sarg fortgebracht wird. Und so kommt es, dass der Junge auf dem Dachboden landet.

Der Speicher ist ein düsterer, unheimlicher und geheimnisvoller Ort, voll vergessener Dinge. Und dort entdeckt der Junge den alten Speichermann. Er lebt dort oben zwischen alten Statuen und Gemälden und scheint schon viele Jahre allein in diesem verstaubten Reich zu hausen.

Der Junge ist fasziniert und erschrocken zugleich. Offenbar haben er und seine Familie all die Zeit gemeinsam mit dem Speichermann in diesem großen Haus gelebt. Und obwohl er neugierig ist, wird ihm mulmig zumute, als der Alte ihn mit einem Stückchen Schokolade zu sich locken will …

Düster, melancholisch, stimmig

Wenn man den fertigen Comicband sieht, fragt man sich, warum das nicht häufiger gemacht wird: eine gute Kurzgeschichte mit schönen Illustrationen in einen Comic transformieren. Bei „Der Speichermann“ jedenfalls hat das prima funktioniert.

Tatsächlich war „Der Speichermann“ Teil einer Weihnachtsanthologie, und das merkt man. Meyer erzählt ein dunkles Märchen und mit einer seltsam melancholischen Grundstimmung. Dazu passen die Kreidezeichnungen von Illustratorin Jana Heidersdorf in gedämpften Farben sehr gut. Sie verstärken diese Stimmung und haben eine schaurige Düsternis, die genau den Ton von Meyers Worten treffen. Schon das düstere, gelungene Cover stimmt auf den Inhalt ein.

Ich mochte das Zusammenspiel von Text und Bildern, und ich mochte auch die Geschichte mit dem düsteren Ende. Das gewisse Etwas hat mir aber gefehlt. Zum Beispiel hätte ich mir zum Finale hin dann doch ein wenig mehr Information gewünscht, etwas mehr Pepp, eine Prise mehr Erklärung. Trotzdem war es eine klasse Idee, die optisch prima umgesetzt wurde.

Als zusätzliche Extras finden sich die ursprüngliche Kurzgeschichte, verschiedene Coverentwürfe sowie Skizzenentwürfe zu den Charakteren am Ende des Comics. Auch ein Nachwort von Kai Meyer gibt es zu lesen.

Schöne Lesezeit mit dem „Speichermann“

Vielleicht konnte mich „Der Speichermann“ nicht hemmungslos begeistern, aber ich hatte eine schöne Lesezeit. Ein düsteres Märchen verbindet sich mit atmosphärischen Zeichnungen zu einer unterhaltsamen, bisweilen melancholischen Geschichte.

7/10 Dachböden

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Der Speichermann
Autor: Kai Meyer
Zeichnungen: Jana Heidersdorf
Verlag: Splitter Verlag
ISBN: 9783958390089
Erscheinungsjahr: 2020
Seitenzahl: 72

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