Leo Carew: Wolfsthron
Fantasy,  Highlight des Monats

Highlight – Leo Carew: Wolfsthron

Ich blogge ja noch nicht so besonders lange. Deshalb hat der Blog vermutlich auch noch nicht seine endgültige Form und ändert sich immer wieder ein bisschen. Was ich neu eingeführt habe, ist unter anderem die „Netzreise“ (siehe Menü), in der ich andere Buchblogs und Booktuber vorstelle. Außerdem sind die Rezensionen mittlerweile nicht nur nach Autor, sondern auch nach Titel einsortiert. Damit findet man hoffentlich schneller, was man sucht. Eine weitere Kategorie, die neu mit reinhüpft, sind die Highlights. Ich will regelmäßig das Highlight des Monats vorstellen. Natürlich nur, wenn es auch ein Highlight gibt. Und im März war das ganz eindeutig und ohne jede Diskussion „Wolfsthron“ von Leo Carew.

Der Brite Leo Carew ist seines Zeichens Anthropologe. Während einer einjährigen Expedition in die Arktis begann er mit den Arbeiten an seinem Debütroman „Wolfsthron“. Der Fantasyroman erschien 2018 in England und noch im selben Jahr in Deutschland. Schauplatz der Ereignisse ist Albion, also quasi ein altertümliches England.

Junger Herrscher vor schwerer Bürde

Albion ist seit jeher in zwei Gebiete unterteilt: zum einen Süddal, in dem die Süddaler leben, und zum anderen das Schwarze Königreich, in dem die Anakim herrschen. Die Anakim sind im Vergleich zu den Süddalern wesentlich größer und langlebiger. Aber sie sind auch geringer an Zahl und technisch in vielerlei Hinsicht nicht so weit fortgeschritten.

Bellamus von Safinim, der in den Diensten von König Osbert von Süddal steht, hegt eine große Faszination für die Anakim und ihr Land. Er will verstehen und lernen. Doch er will auch erobern. Mit der Unterstützung von Königin Aramilla bringt Bellamus seinen König dazu, einem Feldzug Richtung Norden zuzustimmen.

Als die beiden Schlachtreihen aufeinandertreffen, scheint den Anakim der Sieg sicher: Es ist ihr Land, sie haben zahlreiche kampferprobte Krieger in ihren Reihen und ihre Körper sind durch einen Knochenpanzer geschützt. Doch es kommt alles anders.

Und so muss der junge Roper Kynortasson, der gerade erst seine Ausbildung abgeschlossen hat, die schwere Bürde der Herrschaft über die Anakim auf sich nehmen – mit einer furchtbaren Niederlage gegen die Süddaler auf den Schultern und zahlreichen Feinden in den eigenen Reihen, die nur darauf warten, dass er einen Fehler macht. Roper muss Verbündete gewinnen, sonst ist seine Regentschaft nur von kurzer Dauer …

Historisches und Fantasy vermischt

Hurra, das nächste Jahreshighlight! Ich war vorsichtig optimistisch, als ich den Roman mit dem wunderschönen Cover in die Hand nahm. Und meine Erwartungen wurden mehr als erfüllt. Anfangs las sich das Ganze für mich noch sehr ungewohnt. Denn Leo Carew verbindet ein historisches Setting mit Fantasy-Elementen. Albion ist ein alter Ausdruck für England, das Festland heißt Erebos, was ebenfalls eine historische Bezeichnung für Europa ist.

Aber mit jeder Seite verging meine Irritation mehr und mehr. Eine epische, dramatische Schlacht reißt einen gleich zu Beginn in die Handlung, die ersten Charaktere werden vorgestellt und die ersten Konflikte ins Rollen gebracht. Die Gegner Roper und Bellamus sind gleichzeitig die Identifikationsfiguren, die man während ihrer Pflichten, Rückschläge und Siege begleitet.

Mir persönlich sind authentische, vielschichtige Charaktere in einem Roman wichtig. Und genau das liefert Carew. Bellamus als Antagonist ist kein reiner Bösewicht, er hat seine eigenen Pläne, Ziele und Hoffnungen. Ebenso wie Roper, der einen schweren Stand bei seinem eigenen Volk hat. Einerseits muss er seine Herrschaft verteidigen und andererseits seine Heimat gegen weitere Angriffe aus dem Süden beschützen.

Glaubwürdige Charaktere und richtige Helden

Nach und nach findet Roper Verbündete, die den Namen „Held“ auch wirklich verdienen. In vielen Fantasyromanen werden die heroischen Taten der sogenannten Helden besungen, aber die Charaktere agieren unglaubwürdig und schwach. Oder genau umgekehrt: Man hat perfekte Helden, die sämtliche Waffen beherrschen, Drachen im Vorbeigehen erschlagen und dazu klug, belesen und weise sind.

„Wolfsthron“ findet genau den richtigen Weg, seine Helden zu zeigen. Es sind Heroen, die vielschichtig, glaubwürdig und kühn sind. Sie riskieren ihr eigenes Leben, um ihre Brüder zu verteidigen, stellen sich in den Dienst der Sache und überwinden ihre Angst für das größere Wohl. Genau so etwas liebe ich!

Die Schlachten konzentrieren sich nicht auf reine Action und Gemetzel, sondern greifen auch taktische Aspekte auf. Intrigen werden gesponnen und Bündnisse eingegangen. Verwoben in die Handlung und allgegenwärtig ist das Worldbuilding. Die Kultur der Anakim und ihre Lebensweise sind in sich schlüssig und stimmig, nicht völlig fremd, aber doch andersartig.

Fantasy, wie sie sein soll

Für mich jetzt schon ein Jahreshighlight und ein großartiges Fantasywerk! „Wolfsthron“ hat alles, was gute Fantasy braucht: tolles Worldbuilding, vielschichtige Charaktere, die einem schnell ans Herz wachsen, Intrigen, epische Schlachten und eine spannende Handlung. Ich kann es kaum abwarten, mit Band zwei, „Der dunkle König“, weiterzumachen. Kein Wunder, dass dieser Roman das Highlight des Monats März geworden ist.

9/10 Wölfe

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Wolfsthron
Reihe: Under the Northern Sky – Band 1
Originaltitel: The Wolf
Autor: Leo Carew
Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442487356
Erscheinungsjahr: 2018
Seitenzahl: 576

2 Comments

  • Ascari

    Hi!

    Da komme ich doch gleich mal auf nen Stöberbesucht vorbei 🙂 . Das Foto für den Beitrag find ich ja mal sehr stimmig? Wie kommst du denn an solche Accessoires? Nimmst du an LARPs teil?

    Dass „Erebos“ ein alter Name für Europa ist, wusste ich nicht. Ich kenne eigentlich nur die Bedeutung des Namens aus dem Griechischen, wo er – glaub ich – für den Gott der Finsternis steht. Albion sagt mir dagegen noch aus meiner Marion Zimmer-Bradley-Zeit was 😉 .

    Liebe Grüße
    Ascari

    • Tina

      Hallo, liebe Ascari! Schön, dass du hier bist. 🙂
      Das von Erebos wusste ich vor Lektüre auch nicht; es stand so im Buch und eine Nachfrage bei Dr. Google hat das bestätigt. Erebos stammt aus dem Griechischen und bedeutet dunkel, und du hast recht, es ist in der griechischen Mythologie der Gott der Finsternis. Man lernt nie aus!
      Tatsächlich hab ich mir die Requisiten bei meinem Bruder geliehen. Er ist zwar kein LARPer, steht aber total auf mittelalterliche Waffen und Rüstzeug. Das hat zu dem Roman gepasst wie Arsch auf Eimer. 😀
      Ich wünsch dir noch einen sonnigen Tag!
      Viele liebe Grüße
      Tina

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