Cover Libba Bray: Gemmas Visionen. Foto: dtv
Fantasy

Libba Bray: Gemmas Visionen

Martha E. Bray, mittlerweile bekannter unter ihrem Pseudonym Libba Bray, brachte mit „Gemmas Visionen“ ihren ersten Roman heraus. Zuvor hatte sie bereits Theaterstücke und Kurzgeschichten veröffentlicht. „Gemmas Visionen“ ist der erste Teil der Trilogie „Der geheime Zirkel“ und wurde in den USA gleich ein großer Erfolg.

Séancen und Visionen

Gemma lebt mit ihren Eltern in Indien und fühlt sich dort sehr wohl. Doch dann stirbt ihre Mutter auf tragische Weise, und das sechzehnjährige Mädchen soll von nun an ein Internat in London besuchen. So, wie es sich gehört für eine heranwachsende junge Dame Ende des 19. Jahrhunderts. Das angesehene Mädcheninternat Spence soll also ihre neue Heimat werden.

Doch Gemma fällt die Eingewöhnung alles andere als leicht, nicht zuletzt aufgrund einiger Mitschülerinnen wie Felicity und Pippa, die ihr von Anfang an das Leben schwer machen. Es dauert seine Zeit, bis die Neue Vertrauen zu den Mädchen fasst und sich auch mit Zimmergenossin Ann anfreundet.

Da Gemma nicht allzu viel von den strengen Regeln des Mädcheninternats hält, schleichen sich die vier Mitschülerinnen immer wieder nachts heimlich in den nahen Wald. Sie haben dort ein Tagebuch gefunden, mit dem sie spaßeshalber spiritistische Séancen abhalten. Doch plötzlich hat Gemma tatsächlich Visionen …

Internatsgeschichte mit fantastischen Elementen

Ich bin ja nicht wirklich ein Fan von Fantasy für eine jüngere Zielgruppe. Nicht weil ich schon so alt bin (ich BIN ja auch noch nicht sooo alt), sondern weil mir die Themen oft zu seicht behandelt werden. Fast so, als nehme man die Leserschaft nicht richtig ernst oder traue ihr nicht so viel zu.

Bei „Gemmas Visionen“ hatte ich diesen Eindruck überhaupt nicht. In einem erfrischenden, bisweilen auch recht humorvollen Stil erzählt Libba Bray eine nicht ganz neue Geschichte unterhaltsam und mit viel Liebe zum Detail. Das Setting des Internats wird nicht nur Fans von „Hanni und Nanni“ Spaß machen. Dabei beachtet Bray stets die Zeit, in der ihre Geschichte spielt. So lernen gerade jüngere Leser noch so einiges über das England des 19. Jahrhunderts.

Auch die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet. Jedes der Mädchen hat seine Ecken und Kanten, bleibt dabei aber stets nachvollziehbar und glaubwürdig. Vor allem die Dialoge zwischen den vier Freundinnen lesen sich authentisch und hauchen der Story Leben ein. Vor allem der Weg von Feindinnen zu Freundinnen liest sich gut und passt zu den verschiedenen Charakteren.

Das Einzige, womit ich mich beim Lesen schwer getan habe, waren die fantastischen Elemente. Für meinen Geschmack sind sie zu kitschig geraten und wollen nicht richtig in das sonst so authentische Setting passen. Auch wenn die Zielgruppe weiblich ist, hätte dem Roman hier und da etwas weniger Kitsch gutgetan.

Nicht nur für ein jüngeres Publikum lesenswert

„Gemmas Visionen“ richtet sich vor allem an die weibliche Leserschaft und ist sicher nicht nur für die Jüngeren geeignet. Der Auftakt der „Der geheime Zirkel“-Trilogie punktet mit natürlichen und sympathischen Charakteren, einer spannenden Geschichte, einem Schuss Humor und einer schönen Darstellung des 19. Jahrhunderts. Nur ab und an dominiert ein bisschen zu viel Kitsch. Weiter geht es in der Trilogie mit „Circes Rückkehr“.

7/10 Visionen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Gemmas Visionen
Reihe: Der geheime Zirkel – Band 1
Originaltitel: A Great and Terrible Beauty
Autor: Libba Bray
Verlag: dtv
ISBN: 9783423426121
Erscheinungsjahr: 2007
Seitenzahl: 480

Das Cover bezieht sich auf die aktuellere Ausgabe von 2014 (und gefällt mir noch besser als das vorige Cover).

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