Cover Marie Lu: Gemeinschaft der Dolche, Young Elites Band 1. Foto: Oetinger
Fantasy

Marie Lu: Die Gemeinschaft der Dolche

Die Amerikanerin Marie Lu wurde mit der „Legend“-Trilogie, ihrer Debüt-Reihe, gleich einem größeren Publikum bekannt. Danach folgte die Reihe „Young Elites“ mit dem Auftaktband „Die Gemeinschaft der Dolche“, der sich genretechnisch zwischen Fantasy und Young Adult ansiedelt.

Worum geht es in „Die Gemeinschaft der Dolche“?

Adelina ist jung, sie hat ihr ganzes Leben noch vor sich. Und doch scheint es, als sei ihr Weg bereits festgelegt. Nachdem sie als Kind an dem mysteriösen Blutfieber erkrankt ist, trägt sie dessen Zeichen: Ihr einst wunderschönes dunkles Haar ist mittlerweile silbern geworden, ein Auge wurde ihr genommen. Die Menschen betrachten sie mit Argwohn und Angst, denn jene Kinder, die unter dem Blutfieber litten und überlebten, tragen seltsame Kräfte in sich. Nicht einmal ihre Familie hält zu dem Mädchen.

Als Adelinas ohnehin schon wenig angenehmes Leben durch einen tragischen Vorfall in Gefahr gerät, trifft sie auf unerwartete Hilfe: Die Gemeinschaft der Dolche besteht aus jungen Männern und Frauen, die wie Adelina besondere Gaben besitzen und diese gegen König und Königin einsetzen. Denn nichts ist dem Königspaar und ihrem Inquisitor mehr ein Dorn im Auge als die Gezeichneten, sind sie doch eine Gefahr für ihren Machterhalt.

Adelina lernt Enzo, den Anführer der Dolche, und seine treuen Gefährten kennen und fühlt sich zum ersten Mal in ihrem Leben geduldet, ja zugehörig. Doch jene Dunkelheit ihrer Gabe droht, sie immer tiefer in die Schatten zu ziehen.

Eine etwas andere Protagonistin

„X-Men meets Die rote Königin“: So wird für den ersten Band „Die Gemeinschaft der Dolche“ der Trilogie „Young Elites“ geworben. Dieser verheißungsvolle Vergleich hält bei näherer Betrachtung jedoch nicht stand. Grundsätzlich hat der Fantasyroman ein schönes Setting, das ein wenig an das historische Venedig erinnert. Dazu tragen auch die klangvollen Namen der Charaktere bei.

Die Leser begleiten Ich-Erzählerin Adelina durch ihr Abenteuer als Malfetto, also als Gezeichnete und damit Verstoßene, gehasst, gefürchtet und geächtet. Die junge Protagonistin hätte viel Potenzial, da sie nur wenigen Klischees im Young-Adult-Fantasybereich entspricht. Sie ist äußerlich gezeichnet von ihrer Krankheit und hat dunkle Charakterzüge, die aus ihr eine vielschichtige Figur machen. Allerdings bleibt Adelina trotz allem zu blass und uninteressant.

Ähnlich steht es mit den übrigen Figuren. Enzo als wortkarger, charismatischer Anführer und der sanftmütige Raffaele sind interessant, entfalten aber ebenfalls nicht ihr volles Potenzial. Mit am spannendsten ist vielleicht noch der Gegenspieler, Inquisitor Teren, der aber insgesamt zu wenig Aufmerksamkeit bekommt.

Zudem strapaziert der Roman seine Leser mit zahlreichen Wiederholungen, seien es Adelinas Gedanken, seien es Wörter und Phrasen, die sich im Lauf des Romans abnutzen. Dadurch weist „Die Gemeinschaft der Dolche“ einige Längen auf und es will nicht so richtig Atmosphäre aufkommen. Schade, denn das Szenario hätte alles Nötige geboten, was es für einen großartigen Roman braucht. Immerhin retten einige überraschende Wendungen im dritten Drittel die Geschichte vor einer schwächeren Bewertung.

Zu viel Stückwerk

„Die Gemeinschaft der Dolche“ hat alle Komponenten, die es für ein tolles Fantasywerk braucht: eine vielschichtige Protagonistin, ein atmosphärisches Szenario und eine interessante Geschichte. Leider schafft es Autorin Marie Lu nicht, diese Stärken herauszuarbeiten, so dass der Auftakt der „Young Elites“-Trilogie nur mäßige Fantasykost ist.

4 von 10 Dolchen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Die Gemeinschaft der Dolche
Reihe: Young Elites – Band 1
Originaltitel: The Young Elites
Autor: Marie Lu
Verlag: Oetinger
ISBN: 9783841505767
Erscheinungsjahr: 2017
Seitenzahl: 412

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2 Comments

  • LeseWelle

    Hallo, ich bin immer noch da. 🙂
    Ich fand den Auftaktband noch am besten von der ganzen Reihe. Ich mochte es, dass Adelina eine Antiheldin ist, denn für mich muss es nicht immer gut sein in Büchern.
    Ich mochte die Idee und die Welt, die Marie Lu erschaffen hat, aber ich kann deine Kritikpunkte durchaus verstehen.
    Auch hier verlinke ich dich gerne bei mir.
    Liebe Grüße
    Diana

    • Tina

      Hey, meine liebe Diana!
      Du warst ja richtig fleißig. 😀 Die Idee der Antiheldin war wirklich total klasse, und auch das Setting hat mir prima gefallen. Aber ich fand einfach, dass zu viel Potenzial nicht genutzt wurde … Ach herrje, aber wenn du sagst, dass die übrigen Bände hinter dem ersten abfallen, muss ich mir noch mal überlegen, ob ich die Reihe fortsetze. Neugierig bin ich ja schon …
      Viele liebe Grüße
      Tina

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