Cover Michael Robotham: Adrenalin. Foto: Goldmann
Thriller

Michael Robotham: Adrenalin

Eine liebe Freundin hat mir ein Buch von Michael Robotham geschenkt, das sie doppelt hatte („Die Rivalin“, vielen Dank, Loretta!), und gleich dazu eins geliehen: nämlich den ersten Band der Reihe über den Psychologen Joe O’Loughlin. „Adrenalin“ hatte ich vor Ewigkeiten zwar schon mal gelesen, wollte aber unbedingt einen Reread machen, weil ich nur noch wusste, dass mir der Thriller gut gefallen hat.

Psychologe unter Mordverdacht

Als eine junge Krankenschwester ermordet wird, wendet sich die Londoner Polizei an den erfahrenen Psychologen Joe O’Loughlin, damit er sie in diesem Fall unterstützt. Detective Inspector Vincent Ruiz und Joe sind sich von Anfang an unsympathisch, aber es gilt, gemeinsam weitere Morde zu verhindern.

Je mehr sich Joe dem Fall widmet, desto mehr seltsame Parallelen sieht er mit den Gewaltfantasien eines seiner Patienten. Aber Bobby Moran ist nicht fähig, einen solch brutalen Mord zu begehen – oder? Zwar neigt er zu aggressiven Ausbrüchen, ist aber zugleich sehr unsicher und kommt als Täter eigentlich nicht in Frage. Joe gräbt tiefer und versucht, die Handschrift des Mordes zu entschlüsseln.

Um seinen Patienten nicht zu belasten, bevor sich Joe nicht ganz sicher ist, dass dieser etwas mit dem Mord zu tun hat, verschweigt er Detective Ruiz seine Entdeckungen. Doch dann wird bekannt, dass Joe die Krankenschwester persönlich kannte – und der Psychologe gerät plötzlich selbst in das Visier der Ermittler. Joe muss alles daran setzen, diesen Mord so schnell wie möglich aufzudecken. Sonst wird er entweder wegen einer Tat, die er nicht begangen hat, angeklagt … oder er wird zum nächsten Opfer.

Sympathische Hauptfigur

Bis auf die Eröffnungsszene konnte ich mich tatsächlich an relativ wenig aus dem Roman erinnern. Deshalb konnte ich beim Reread trotzdem wieder prima mitfiebern. Denn wenn Michael Robotham eins kann, dann ist es Spannung erzeugen. Sind die Zusammenhänge anfangs noch eher holprig miteinander verbunden, ergibt sich spätestens zum Finale ein passendes Gesamtbild.

Okay, für mich hätte das Finale gern etwas umfangreicher ausfallen können. Das Warum hat sich mir erschlossen, war aber einen Tick zu konstruiert und zu knapp abgehandelt. Dafür war ich wieder mal begeistert vom Stil, vor allem von dem unterschwelligen Humor, der sich durch den Thriller zieht. Es ist dieser typisch britisch trockene Humor – dabei ist Robotham Australier!

Erzählt werden die Geschehnisse von Joe in der Ich-Form, als Leser ist man also ganz nah dran an seiner Figur. Und die ist absolut interessant: Joe ist nicht der strahlende Ritter oder der gebrochene Held, wie man es in vielen vergleichbaren Thrillern hat. Vielmehr ist er ein Normalo mit eigenen Sorgen und Problemen. Nur manchmal hätte ich ihn gerne geschüttelt und ihn ausgeschimpft, weil er zu unlogisch gehandelt hat, vor allem zum Nachteil für sich selbst.

Reread konnte überzeugen

Auch beim zweiten Lesen konnte mich „Adrenalin“ überzeugen. Robothams starker Stil, die Prise Humor und die sympathische Hauptfigur machen den Thriller zu einem spannenden Pageturner, der gut unterhält. Bei Gelegenheit werde ich auch „Amnesie“ wieder lesen, den zweiten Band über Psychologe O’Loughlin und Detective Ruiz.

8/10 Gewaltfantasien

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Adrenalin
Reihe: O’Loughlin und Ruiz – Band 1
Originaltitel: The Suspect
Autor: Michael Robotham
Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442476718
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 445

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