Cover Poppy Adams: Wer die Ruhe stört. Foto: Hoffmann und Campe
Familienroman,  Krimi

Poppy Adams: Wer die Ruhe stört

Mit „Wer die Ruhe stört“ veröffentlichte die britische Regisseurin und Produzentin Poppy Adams ihren Debütroman. In Deutschland wurde der Roman, der 2008 unter dem Originaltitel „The Behaviour of Moths“ erschien, von Hoffmann und Campe veröffentlicht.

Familiäre Wiedervereinigung

Nachdem sich die Schwestern Vivien und Virginia seit über 40 Jahren nicht mehr gesehen haben, kehrt Vivien in ihre Heimat und zum Familienbesitz Bulburrow Court zurück. Dort sieht sie, wie sich das Anwesen verändert hat: Alles ist heruntergekommen, Teile des Hauses sind nicht mehr nutzbar, teure Möbel mussten veräußert werden. Auch ihre Schwester, Schmetterlingsforscherin Virginia, ist nicht mehr dieselbe wie früher. Das Leben hat sie noch verschrobener, noch einzelgängerischer gemacht.

Mit ihrem Wiedersehen versuchen die kauzige Virginia und die lebensfrohe Vivien, ihre Vertrautheit wiederzufinden und einander neu kennenzulernen. Doch während der gemeinsamen Zeit werden auch viele Erinnerungen und mit ihnen dunkle Geheimnisse der Familie wieder ans Licht gebracht, die das empfindliche Gleichgewicht zwischen den Schwestern erheblich stört.

Beschaulicher Landhaus-Krimi

Die Ich-Erzählerin Virginia lässt den Leser mit beschaulichem Charme an der Rückkehr ihrer Schwester teilhaben, taucht immer wieder in die Vergangenheit ein und berichtet von Kindheitserinnerungen der beiden. Dabei wird nach und nach immer deutlicher, dass die heile, harmonische Welt der Schwestern nur schöner Schein ist. Erst sind es nur kleine Ungereimtheiten, dann kommen immer größere Tragödien und Schicksalsschläge ans Tageslicht.

Daraus zieht der Roman allmählich seine Spannung und plötzlich tauchen wichtige Fragen auf: Was ist wirklich in dieser Familie geschehen? Wie sind die Eltern der Schwestern eigentlich ums Leben gekommen? Und vor allem, erzählt Ich-Erzählerin Virginia immer die Wahrheit?

Einen spannenden Thriller darf man hier nicht erwarten. „Wer die Ruhe stört“ lebt vor allem von seiner Landhausatmosphäre, von der Charakterzeichnung der Familienmitglieder und von den Dialogen der beiden Schwestern, die sich anzunähern versuchen, obwohl so viel Ungesagtes zwischen ihnen steht. Und so setzt der Leser zusammen mit Virginia Puzzlestück um Puzzlestück zusammen, bis sich das entlarvende Gesamtbild ergibt.

Krimi und Familienporträt

Mit ihrem Debütroman „Wer die Ruhe stört“ ist Adams eine nette Mischung aus Krimi und Familienporträt geglückt, die sich atmosphärisch präsentiert, dabei aber auch von einer gewissen britischen Beschaulichkeit lebt und einige Zeit braucht, bis sie Fahrt aufnimmt. Solide, teils typisch britische Lektüre, die sich gut liest, aber gerne noch etwas pfiffiger hätte ausfallen können.

6/10 Nachtfalter

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Wer die Ruhe stört
Originaltitel: The Behaviour of Moths
Autor: Poppy Adams
Verlag: Hoffmann und Campe
ISBN: 9783442373505
Erscheinungsjahr: 2010
Seitenzahl: 363

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