Sebastian Fitzek: Noah. Cover: Bastei Lübbe
Thriller

Sebastian Fitzek: Noah

Sebastian Fitzek gehört zur Topriege der deutschen Spannungs-Spezialisten. In „Noah“ denkt er eine Nummer größer und bringt nicht nur seine Charaktere in Gefahr, sondern quasi die gesamte Welt. Und zwar durch einen Virus, der wie eine Erkältung anfängt. Kommt euch das bekannt vor? Zusammen mit der lieben Anne von Wortgebastel hatte ich den Thriller letztes Jahr gelesen.

Gedächtnisverlust und Pandemie

Noah lebt als Obdachloser auf den Straßen Berlins. Allerdings gibt es da ein paar Haken. Zum Beispiel, dass Noah gar nicht weiß, wer er ist und woher er kommt. Den Namen Noah hat er nur angenommen, weil er auf seiner Hand tätowiert ist. Der ältere Oscar, der ebenfalls auf der Straße lebt, begleitet Noah durch sein Leben voller Fragen und Unsicherheiten. Durch einen Zufall glaubt Noah, den Schlüssel zu seiner Erinnerung und damit zu seiner Identität in Händen zu halten. Doch damit beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Und ein Auftragskiller ist Noah längst auf den Fersen.

Zeitgleich kämpft Alicia, die in den Slums von Manila lebt, mit ihrer Familie ums Überleben. Sie haben nichts zu essen, das Baby ist krank und die Manila-Grippe zieht immer weitere Kreise. Sie müssen dringend Hilfe finden. In New York kommt die Journalistin Celine einer seltsamen Verschwörung auf die Spur. Und der Magnat Jonathan Zaphire eröffnet bei einer Spendengala, dass er das Impfmittel, das die weltweit um sich greifende Manila-Grippe eindämmen soll, dem Westen nicht zur Verfügung stellen wird, sondern die Medikamente in Entwicklungs- und Schwellenländer transportieren will. Das könnte verheerende Folgen auf die westliche Welt haben …

Wichtige Themen zu gutem Thriller verknüpft

Wenn man die Inhaltsangabe liest, erschlägt es einen fast. So viele Charaktere, so viele Handlungsstränge und so viele Schauplätze, von denen im Laufe des Romans noch einige hinzukommen … Kann das gutgehen?

Die simple Antwort: japp. Es funktioniert sogar ziemlich gut. Fitzek greift in „Noah“ wahnsinnig viele wichtige Themen wie Menschenrechte, Umwelt und Klimawandel auf. Das Ganze wirkt aber nicht überladen. Vielmehr greifen die Themen ineinander wie Zahnräder und hängen alle miteinander zusammen. Vor allem die Kapitel über Jonathan Zaphire, in Manila und das Nachwort setzen ein klares Statement und vermitteln eine Botschaft. Das hebt „Noah“ deutlich von anderen Fitzek-Thrillern ab. Vielleicht schießt das Ganze hier und da mal übers Ziel hinaus, aber im Kern vermittelt Fitzek immens wichtige Themen in kurzweiliger Unterhaltung.

Auch die Pandemie, die im Zentrum des Geschehens steht, wirkt erschreckend realistisch und weist zu unserer Corona-Zeit richtig gruselige Parallelen auf. Einen größeren Kritikpunkt habe ich aber an den verschiedenen Handlungssträngen. Jeder für sich genommen ist in Ordnung, aber einer verbindet sich nirgends mit den anderen, außer dass er die Geschehnisse aus einer bestimmten Perspektive zeigt. Das war mir zu wenig.

Eine Nebenfigur ist besonders gelungen

Normalerweise empfinde ich Fitzeks Charaktere in den Romanen als zweckmäßig und funktional. Sie erfüllen ihre Rolle prima, berühren mich aber nicht und sind eher eindimensional. Deshalb war ich umso überraschter, als ich Herrn Altmann kennengelernt habe. Er ist in meinen Augen Fitzeks gelungenste Figur und hat richtig Bock gemacht. Falls jemand Herrn Starr aus der Serie „Preacher“ kennt: So ähnlich stelle ich mir Altmann vor! Er ist verhältnismäßig komplex und wird zwar als Antagonist eingeführt, ist aber definitiv kein klassischer Bösewicht. Die übrigen Charaktere sind wie immer: funktional (und manchmal auch ziemlich unnötig).

Auch in „Noah“ gibt es wieder ein paar arg konstruierte und übertriebene Wendungen und Überraschungen. Wo ich bei „Splitter“ total genervt davon war, hat es mich hier nicht so gestört. Vielleicht, weil die vermittelte Botschaft einfach so wichtig ist. Jedenfalls hatte ich viel Spaß beim Lesen und hab mich von dem lockeren, manchmal sogar ein bisschen flapsigen Stil gut unterhalten gefühlt.

Der tiefgründigste Fitzek-Thriller

„Noah“ ist für mich der bislang tiefgründigste Fitzek-Thriller mit brisanten, hochaktuellen Themen und einer wichtigen Botschaft, aber stellenweise auch wieder arg konstruiert. Das muss man mögen. Der Roman punktet bei mir vor allem mit einem großartigen Nebencharakter und diesem typischen Pageturner-Feeling, das sich bei Fitzeks Romanen meistens einstellt.

8/10 Pandemien

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Noah
Autor: Sebastian Fitzek
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 9783404171675
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenzahl: 558

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