Sebastian Garthoff: Tote wird man nicht los. Cover: Wreaders
Horror,  Humor

Sebastian Garthoff: Tote wird man nicht los

„Tote wird man nicht los“ von Sebastian Garthoff wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das hat aber keinen Einfluss auf meine Bewertung. Ich konnte der netten Anfrage des Autors, ob ich sein Werk rezensieren würde, nicht widerstehen, und kurze Zeit später landete das Buch in meinem Briefkasten.

Zombies in der Kleinstadt

Als Annabell Ballas, die Gemahlin des örtlichen Bürgermeisters, in einem Waldstück nahe ihrer Heimatstadt zu sich kommt, fehlt ihr jede Erinnerung daran, wie und warum sie dort gelandet ist. Aber ziemlich schnell wird ihr klar, dass sie tot ist. Und zwar so richtig.

Nicht nur Annabell macht gerade eine schwere Phase durch. Journalist Lorenz Hardmann fühlt sich von dem Leben in der Provinz eingeengt. Die junge Priscilla hat Selbstmordgedanken. Safranski von der Polizei hat die undankbare Aufgabe, die verschwundene Gemahlin des Bürgermeisters zu finden. Und Bruckmann, der auf dem Amt arbeitet, lässt seine Minderwertigkeitskomplexe gnadenlos an seinen Mitmenschen aus.

Als Annabell und ihre untoten Mitzombies in der Kleinstadt einfallen, müssen die Einwohner ihre Probleme beiseiteschieben und erst mal ums Überleben kämpfen.

Viele Ideen auf wenig Raum

Mit 140 Seiten hat „Tote wird man nicht los“ auf jeden Fall eine tolle Länge, um an einem gemütlichen Nachmittag durchgelesen zu werden. Die Kapitel sind so kurz und knackig, dass ich mich nach jedem Kapitel dabei ertappt habe, „nur noch eins“ dranzuhängen. Dazu trägt auch Garthoffs Schreibstil bei – trocken, nüchtern, ohne viel Chichi und Schnickschnack, sondern auf das Wesentliche konzentriert. Das hat mir gut gefallen (und wenn Lektorat und Satz noch ein bisschen ordentlicher gearbeitet hätten, hätte es mir noch besser gefallen).

Hier und da hätte ich mir trotzdem mehr Information gewünscht. Denn die Kleinstadt, in der das Ganze spielt, wimmelt nur so von Figuren, die mal mehr, mal weniger wichtig für die Story sind. Ich bin zwar nicht durcheinander gekommen, wer denn nun wer ist, aber natürlich ist der Roman zu kurz, um jedem Charakter ausreichend Raum zu geben. Manche Zusammenhänge zwischen den handelnden Personen offenbaren sich im Verlauf der Handlung, andere werden relativ knapp in wenigen Sätzen abgefertigt oder gar nicht mehr aufgegriffen. Der Vorteil der knackigen Kürze verkehrt sich dann auch ins Gegenteil. Mir hat dadurch die Tiefe gefehlt.

Denn eigentlich ist die Idee eines Crossovers zwischen Zombiehorror, Humor und Gesellschaftskritik richtig klasse. Und auch die „Auflösung“ am Ende hat mich überzeugt. Zusammen mit Garthoffs stilistischem Talent ergab das einen guten Cocktail – zumindest als „Shot“ für zwischendurch. Mit etwas mehr Tiefe, Beschreibungen und Komplexität hätte mich „Tote wird man nicht los“ noch mehr abgeholt. Die Splatterszenen jedenfalls hatten ordentlich Pfeffer, so soll das sein!

Darf’s auch etwas mehr sein?

Auch wenn meine Bewertung in Zahlen ausgedrückt eher schwach aussieht und ich einige Kritikpunkte hatte, bleibt mir „Tote wird man nicht los“ doch in angenehmer Erinnerung. Ein klasse Schreibstil, eine coole Auflösung am Schluss und blutige Splatterszenen haben mir gut gefallen. Das Ganze auf 300 Seiten mit mehr Tiefe und mehr Raum für all die Figuren, und das Ganze wäre noch mehr mein Fall gewesen.

5/10 Zombiekomödien

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Tote wird man nicht los
Autor: Sebastian Garthoff
Verlag: Wreaders Verlag
ISBN: 9783967333053
Erscheinungsjahr: 2022
Seitenzahl: 140

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