Cover Sharon Bolton: Dead End. Foto: Goldmann
Thriller

Sharon Bolton: Dead End

„Dead End“ von Sharon Bolton ist offenbar der zweite Teil der Reihe „Lacey Flint“. Da ich mir den Roman von einer guten Freundin ausgeliehen habe, habe ich das erst beim Lesen gemerkt. Allerdings hat mich das weniger gestört, als ich dachte. Achtung an alle, die Probleme mit dem Content Selbstmord haben, denn das ist das zentrale Thema des Thrillers.

Selbstmorde an der Uni häufen sich

Die Cambridge Universität im Norden von London ist ein Epizentrum von Intellektuellen, Wissen und Macht – und Selbstmorden, wie es scheint. Denn zu viele junge Studentinnen haben sich in den letzten Wochen und Monaten dort das Leben genommen. Die Selbstmorde fielen überraschend brutal und grausam aus. War das alles ein Zufall oder hat etwa jemand nachgeholfen?

DC Lacey Flint soll undercover in Cambridge eingeschleust werden, um herauszufinden, ob die Selbstmorde irgendwie in Verbindung miteinander stehen. Ihr zur Seite steht die Psychologin Dr. Evi Oliver, der als Erstes diese ungewöhnliche Häufung an Suiziden aufgefallen ist. Detective Inspector Mark Joesbury, mit dem Lacey schon mal zusammengearbeitet hat und der ihr nicht mehr aus dem Kopf geht, leitet die verdeckte Ermittlung.

Schon kurz nachdem Lacey als Studentin ihren Auftrag beginnt, kommt es zu den ersten Vorfällen: Lacey wird Opfer eines bösen College-Streiches und leidet plötzlich unter seltsamen Albträumen. Und auch Dr. Oliver glaubt, die Zielscheibe eines Stalkers zu sein, der sie zunehmend mehr bedroht. Wird es Lacey gelingen, diesen Fall zu lösen, bevor sie Selbstmord begeht?

Punktet mit Spannung und Perspektivwechseln

Ich steige nicht gern mittendrin in Reihen ein. Gar nicht gern. Oft werden Andeutungen gemacht, die man nur versteht, wenn man den oder die Vorgänger kennt. Bei „Dead End“ war das aber noch okay. Es gab durchaus Andeutungen zu Laceys erstem Fall und zu der Beziehung zwischen ihr und Joesbury, die ich nicht verstanden habe, aber es hat mich tatsächlich nicht gestört.

Der Hauptgrund dafür war, dass man sich manche Lücken ganz gut selbst erschließen kann – und dass die Ereignisse recht spannend waren. Der Stil ist angenehm und lässt sich schnell weglesen, vor allem gibt es eine ausgewogene Mischung aus Handlung, Innensicht und Beschreibungen, hinzu kommen Perspektivwechsel, die die Spannung hochhalten. Lacey ist im Grunde eine sympathische Protagonistin, die ihre Nase in Angelegenheiten steckt, die sie nichts angehen. Meistens macht sie das ziemlich gut. Und auch die knisternde, mühsam unterdrückte Anziehungskraft zwischen ihr und Joesbury hat mir gefallen.

Hin und wieder kommt es aber dann doch zu Entscheidungen und Handlungen, vor allem von Lacey und Dr. Oliver, die unlogisch sind. Klar, damit soll die Lösung des Falls ein bisschen hinausgezögert werden. Aber die Kommunikation zwischen den beiden Frauen ist manchmal unglaubwürdig, wenn sie sich gegenseitig bestimmte Dinge verheimlichen. Das hätte besser gelöst werden können.

Einen dicken Minuspunkt muss ich leider für das Ende geben. Das Finale war zwar nicht langweilig, aber viel zu kurz. Mir hat die große Aufklärung gefehlt: Wer hat was wann warum wie gemacht. Da gab es viele Handlungsstränge und Ereignisse, die nicht mehr aufgegriffen oder nur kurz abgehandelt werden. Dadurch kann das große Ganze nicht überzeugen. Es ist, als hätte man alle Puzzlestücke gefunden, würde sie aber nicht mehr zusammensetzen. Für mich war das sehr unbefriedigend.

Ende gut, alles gut?

Spannend, unterhaltsam und mit morbiden Selbstmorden, aber auch stellenweise arg konstruiert und vor allem mit einem schwachen Ende: „Dead End“ von Sharon Bolton macht mit seiner sympathischen Protagonistin vieles richtig, kann aber vor allem wegen des schwachen Finales nicht komplett überzeugen.

6/10 College-Studentinnen



Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Dead End
Reihe: Lacey Flint – Band 2
Originaltitel: Dead Scared
Autor: Sharon Bolton
Verlag: Goldmann
ISBN: 9783442480609
Erscheinungsjahr: 2013
Seitenzahl: 431

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