Cover Shashi Tharoor: Bollywood. Foto: Insel
Drama,  Humor

Shashi Tharoor: Bollywood

Während meiner Studienzeit hatte ich einige Seminare belegt, die sich mit dem Medium Film auseinandersetzten. In einem dieser Seminare wurde der Roman „Bollywood“ von Shashi Tharoor behandelt. Tina und Bollywood – kann das überhaupt gutgehen?

Karriere bei völliger Talentlosigkeit

Ashok Banjara hat schon immer seinen eigenen Kopf gehabt. Anstatt in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, der als Minister in der Politik ist, wählt der junge Mann nach dem Studium an der Elite-Uni die Schauspielkarriere. Dass er kein Talent hat, stört dabei niemanden. Wozu hat man denn einen einflussreichen Vater, der ein paar Strippen ziehen kann?

Und so eröffnet sich ihm ein kometenhafter Aufstieg im Filmgeschäft. Ashok spielt in seinen kommerziell erfolgreichen Filmen stets den Helden, den Kämpfer für das Gute. Damit kommt er beim Publikum super an, das ihn als moralische Instanz und Vorbild anerkennt.

Dass sein Privatleben alles andere als heldenhaft ist, sehen die Fans nicht. Trotz seiner Ehe mit der bildhübschen Schauspielerin Maya hat er eine Affäre nach der anderen, er scheffelt sein Geld auf einem Schweizer Bankkonto und sein größtes Interesse gilt jederzeit sich selbst.

Als sich die Gelegenheit bietet, entschließt sich Ashok plötzlich doch, mal in die Politik zu schnuppern. Hätte er das nur nicht getan! Damit beginnt eine Abwärtsspirale in seiner Karriere: Ashok wird in einen Spendenskandal verwickelt, seine Schauspielkarriere gerät ziemlich ins Stocken und beim nächsten Filmdreh kommt es sogar zu einer Brandkatastrophe. Ist das etwa Karma?

Literatur und Film verschmelzen

Nee, das war so gar nicht meins. Ich bin sowieso kein Bollywood-Fan und habe keinen Bezug zu dieser indischen Filmfabrik. Es hat mir nicht völlig widerstrebt, den Roman zu lesen (wie das ja oft mit Schul- und Uniliteratur so ist), aber gepackt hat er mich auch nicht.

Das Buch zeigt viele Elemente, die perfekt zum Filmgenre passen. So ist das Inhaltsverzeichnis zum Beispiel in Drehbuchform verfasst, es gibt Kolumnen einer Filmreporterin und Redewendungen, die man aus der Filmsprache kennt, wie „Du hast mich aus deinem Drehbuch gestrichen“ oder „hat dir jemand einen falschen Text gegeben“. Auch das Thema selbst – Ashoks Aufstieg zum Bollywood-Star – und seine Zeit am Filmset zeigen tolle Verknüpfungen von Literatur und Film.

Darüber hinaus konnte ich dem Roman aber kaum etwas abgewinnen. Ashok ist ein selbstverliebter Mistkerl, der sich selbst als Hauptdarsteller seines Lebens sieht, in dem sich alles, aber auch wirklich alles um ihn drehen muss. Auch keiner der anderen Charaktere kann in irgendeiner Weise Sympathie erzeugen.

Und die Erzählweise – Ashok erzählt in der Ich-Form, andere Figuren erzählen in der Du-Form an Ashok gewandt – mag kreativ sein. Ich konnte mich aber nicht damit anfreunden. Es ließ mich einfach vollkommen kalt, was passiert, und das ist immer ein sehr schlechtes Zeichen. Hinzu kommt eine Art von Tragikomik, die eher anstrengend als witzig ist.

Kleiner Funfact am Rande: Shashi Tharoor, der zu Indiens bedeutendsten Autoren der Gegenwart zählt, ist genau wie sein Protagonist in die Politik gegangen. Allerdings ist der Inder auch vor seiner Schriftstellerkarriere als Jurist und Diplomat tätig gewesen.

Nicht mein Fall

Nein, „Bollywood“ ist trotz meiner cineastischen Ader überhaupt nichts für mich. Ich war begeistert von all den Verweisen auf das Filmthema, aber darüber hinaus konnte der Roman mich nicht überzeugen, weder das Bollywood-Thema noch die Handlung. Wer die indische Filmfabrik mag, könnte allerdings großen Gefallen an „Bollywood“ finden.

4/10 indische Filmstars

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Bollywood
Originaltitel: Show Business
Autor: Shashi Tharoor
Verlag: Insel
ISBN: 9783458173120
Erscheinungsjahr: 2006
Seitenzahl: 413

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