Cover Stephen King: Carrie. Foto: Bastei Lübbe
Horror

Stephen King: Carrie

Mit „Carrie“ veröffentlichte Stephen King 1974 seinen ersten Roman, der nur zwei Jahre später von Brian de Palma verfilmt wurde. Kein Wunder, schlug das Erstlingswerk doch ein wie eine Bombe. Über 1,3 Millionen allein in den USA verkaufte Bücher und mehr als dreißig Auflagen in Deutschland sprechen eine deutliche Sprache.

Carries Martyrium

Carrie White ist nicht wie die anderen. Sie ist ein bisschen pummelig, ungeschickt und mit einer fanatisch religiösen Mutter gestraft, die ihre Tochter vor der ganzen Welt abzuschotten versucht. Grund genug für ihre Klassenkameradinnen, das scheue Mädchen ständig zu schikanieren und sich über sie lustig zu machen. Kurzum, sie ist die typische Außenseiterin ohne Freunde.

Dass sich Carrie von ihren Mitmenschen unterscheidet, liegt aber nicht nur in der strengen Erziehung ihrer Mutter begründet. Seit ihrer Kindheit schlummert in dem Mädchen eine dunkle Macht. Eine Macht, die zum Ausbruch kommt, wenn sie sich bedroht fühlt oder emotional überreagiert.

Als Tommy, der beliebteste Junge der Schule, Carrie bittet, mit ihm zum Abschlussball zu gehen, nimmt sie seine Einladung an – trotz der Furcht, wieder verspottet und gehänselt zu werden. Sie ahnt allerdings nicht, was ihr und ihren Mitschülern bevorsteht …

Ein großartiges Debüt

Natürlich merkt man als geneigter King-Leser dem Roman an, dass der Meister des Horrors stilistisch hier noch am Anfang seines Schaffens steht. Seine großen Stärken wie plastische Charakterzeichnung, durchdringende Atmosphäre, vereinnahmender Schreibstil und spannendes Thema sind allesamt schon deutlich zu erkennen, aber noch nicht so ausgefeilt wie in späteren Werken.

Vor allem die interessante Figur von Carries Mutter Margaret bietet noch viel Potenzial, das nicht komplett ausgeschöpft wurde. Ihr fanatisches, dominantes Verhalten im Wechselspiel mit Carries Unterwürfigkeit und ihrem bisweilen aufblitzenden Aufbegehren hätte locker 100 Seiten mehr gefüllt. Die Mutter-Tochter-Beziehung stellt immerhin die Basis für Carries Verhalten dar und setzt einige der Geschehnisse in Gang.

Dieser Kritikpunkt soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass man mit „Carrie“ einen packenden Roman zwischen Horror und Psychothriller in Händen hält. Zwischen den Szenen aus Carries Leben finden sich Ausschnitte aus Sachbüchern über Carrie Whites Leben, Interviews mit Zeugen über die Dinge, die sich in der Ballnacht in Chamberlain ereignet haben, und Pressemeldungen. Diese Mischung lässt das Geschehen noch unmittelbarer und realer erscheinen und sorgt für viel Kurzweil beim Lesen.

Ein junger Meilenstein der Horrorliteratur

Stephen King selbst sieht sein Erstlingswerk kritisch. Und vielleicht wäre aus „Carrie“ tatsächlich ein noch fulminanteres Werk geworden, hätte er es zu einer späteren Schaffensphase geschrieben. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass es ein großartiges Debüt eines der erfolgreichsten Autoren unserer Zeit darstellt und im Horrorgenre ein nicht wegzudenkender Meilenstein verbleibt, den man gelesen haben sollte. Für King-Fans gehört „Carrie“ sowieso zur Pflichtlektüre.

8 von 10 Außenseiterinnen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Carrie
Originaltitel: Carrie
Autor: Stephen King
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 9783404169580
Erscheinungsjahr: 1992
Seitenzahl: 318

Das Coverfoto und die ISBN stammen übrigens von der Lübbe-Ausgabe von 2013.

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