Cover Stephen King: Der Fluch. Foto: Ullstein
Horror

Stephen King: Der Fluch

Mittlerweile ist ja weitläufig bekannt, dass Stephen King auch unter seinem Pseudonym Richard Bachman mehrere Romane veröffentlicht hat, bis diese Deckidentität enttarnt wurde. Tatsächlich war „Der Fluch“ mit dafür verantwortlich, dass Stephen King sein Alter Ego Richard Bachman im wahrsten Sinne des Wortes begraben musste. Einem Buchhändler war in diesem Roman die stilistische Ähnlichkeit zu den King-Werken aufgefallen. Der Roman wurde 1984 in den USA veröffentlicht.

Eine wundersame Diät

Billy Halleck ist ein gut verdienender Anwalt mit einer bildhübschen Frau und einer süßen Teenager-Tochter. Im Laufe der Jahre hat er sich ganz schön viel Wohlstandsspeck angefressen – aber hey, ansonsten ist sein Leben doch gut, wozu also abnehmen?

Als Billy mit seiner Frau im Wagen unterwegs ist, kommt es zu einem folgenreichen Unfall. Von seiner Frau abgelenkt, bemerkt Billy nicht, dass eine Zigeunerin gerade die Straße überquert. Er überfährt und tötet die Frau, doch vor Gericht kommt er glimpflich davon, dank des Richters, der sein Golfkumpel ist, und dank des ermittelnden Polizisten, dem die Zigeuner sowieso ein Dorn im Auge sind.

Aber einer der Zigeuner, zu denen die getötete Frau gehörte, lässt Billy nicht so leicht davonkommen. Vor dem Gerichtsgebäude kommt er auf den Anwalt zu, berührt ihn leicht und sagt nur ein Wort: „Dünner.“

In den folgenden Wochen bemerkt Billy tatsächlich, dass er an Gewicht verliert. Egal wie viel und was er isst, er nimmt beständig ab. Anfangs ist das natürlich Grund zur Freude. Aber je dünner er wird, desto mehr bekommt Billy es mit der Angst zu tun. Hat der Zigeuner ihn etwa verflucht?

Fiese Ausgangssituation

Ja, was soll ich sagen? Es ist ein King, und der Meister hat mich noch nie enttäuscht. Manchmal nicht ganz so gut unterhalten wie normalerweise, aber ich liebe einfach seinen Schreibstil. Die ausufernden Beschreibungen, die so viel Atmosphäre erzeugen. Die interessanten und oft sehr komplexen Figuren und wie er sie darstellt. Und die Dialoge, die authentisch, kurzweilig und manchmal auch ziemlich witzig sind.

Als Richard Bachman hat Stephen King tatsächlich eine leichte Veränderung in seinem Stil. Er erscheint mir hier ein bisschen direkter, ein bisschen trockener und auch gemeiner. Aber so richtig zu fassen bekomme ich es nicht. Und im Endeffekt ist es auch egal.

„Der Fluch“ hat eine fiese Ausgangssituation: Billy, der abgesehen vom Übergewicht ein prima Leben genießt, muss sich einem Fluch stellen, der weit über seine Vorstellungskraft hinausgeht. Es passiert noch gar nicht mal so ewig viel, aber trotzdem nimmt einen die Story mit, man beobachtet das Zusammenspiel der Figuren und Billys zunehmende Verzweiflung. Und wie Billy versucht, sein normales Leben zurückzubekommen, liest sich zwar ein bisschen nach Deus Ex Machina, aber auch sehr unterhaltsam.

Klassischer Bachman, ähm, King

Mit „Der Fluch“ gelingt Stephen King einmal mehr ein spannender Horror-Roman, der seinen Grusel langsam, aber effektiv entfaltet. Er gehört nicht zu den stärksten Arbeiten des Meisters, aber auch nicht zu den schlechtesten und sei daher jedem Horrorfan zu empfehlen. Und jedem King-Fan sowieso.

7/10 Diäten

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Der Fluch
Originaltitel: Thinner
Autor: Stephen King
Verlag: Ullstein
ISBN: 9783548263090
Erscheinungsjahr: 2005
Seitenzahl: 382

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