Cover Stephen King: Langoliers und Das geheime Fenster. Foto: Heyne
Horror

Stephen King: Langoliers und Das geheime Fenster

Was wäre ein Gruseltober ohne den Meister des Horrors? Diesmal habe ich mir ein Buch von Stephen King herausgepickt, das zwei Kurzromane beinhaltet. Keine Ahnung, warum ausgerechnet „Langoliers“ und „Das geheime Fenster“ in einen „Sammelband“ geworfen wurden, sie haben absolut nichts miteinander zu tun – abgesehen davon, dass beide schon verfilmt wurden. „Langoliers“ ziemlich trashig, aber unterhaltsam und „Das geheime Fenster“ mit Stars wie Johnny Depp und dem verdammt coolen John Turturro.

Langoliers

Ein Flugzeug bricht von Los Angeles nach Boston auf – alles spricht dafür, dass es für die Passagiere ein entspannter, ruhiger Nachtflug wird. Dinah, ein blindes Mädchen, das mit seiner Tante reist, wacht mitten in der Nacht auf und macht eine entsetzliche Entdeckung. Nicht nur ihre Tante ist verschwunden, auch viele weitere Passagiere scheinen sich plötzlich nicht mehr im Flugzeug zu befinden. Und auch die Crew ist wie vom Erdboden verschluckt.

Brian, ein Pilot, der sich unter den wenigen verbliebenen Passagieren befindet, bringt das Flugzeug sicher auf den Boden zurück. Doch am Flughafen erwartet sie ein ähnliches Bild wie in der Maschine. Keine Menschenseele ist dort, alles wirkt verlassen und verwaist.

Was ist geschehen? Wie konnten diese Menschen einfach spurlos verschwinden und wohin? Doch noch während die Passagiere darüber rätseln, in welche groteske Lage sie geraten sind, vernehmen sie ein seltsames Geräusch, das langsam, aber beständig näher kommt …

Etwas arg konstruiert, aber spannend

Normalerweise schaue ich nicht so gern King-Verfilmungen. Es gibt wenige, aber dafür ruhmreiche Ausnahmen wie „The Green Mile“, „Shining“ oder „Die Verurteilten“. Bei „Langoliers“ war es witzigerweise genau umgekehrt. Ich hatte die Novelle noch nicht gelesen, als ich im Fernsehen den Zweiteiler sah. Gott, war der trashig! Aber irgendwie amüsant trashig.

Handwerklich gibt es an „Langoliers“ – wie immer beim Meister – nichts auszusetzen. Die Charaktere sind lebendig und authentisch, vor allem die blinde Dinah hat ein paar großartige Momente. Dass die Figuren so zusammengestellt wurden, dass es gut zur Story passt, wirkte hier und da ein bisschen arg konstruiert. So was wie „Na Gott sei Dank ist ein Pilot als Passagier an Bord der Maschine, deren Crew spurlos verschwunden ist“ kommt noch ein paar Mal vor. Da hat es sich King etwas zu einfach gemacht.

Trotzdem bleibt „Langoliers“ bis zum Ende spannend. Vor allem die Atmosphäre am Flughafen, als die Passagiere dort landen und die Umgebung erkunden, hat mir gut gefallen, war bedrückend und unheimlich.

Das geheime Fenster

Der Schriftsteller Mort Rainey ist geschieden, hat aber immer noch an der Trennung von seiner Exfrau zu knabbern. Sie ist bereits in einer neuen Beziehung, während Mort sich in seinem Sommerhaus verschanzt. Entsprechend schleppend geht die Arbeit an seinem neuen Roman voran.

Als ein Fremder namens John Shooter Mort des Plagiats bezichtigt, versinkt das Leben des Schriftstellers endgültig im Chaos. Beide erheben Ansprüche auf die Urheberrechte, aber schnell wird Mort klar, dass Shooter auch rabiate Mittel einsetzen wird, um zu gewinnen. Und er scheint immer einen Schritt voraus zu sein …

Existenz kurz vor dem Untergang

Auch in „Das geheime Fenster“ fallen zuerst die komplexen Charaktere auf. Mort und Shooter sind beide gut gezeichnet und machen eine spannende Entwicklung durch. Die Story geht eher gemächlich los – man lernt Morts Situation und seinen Alltag kennen, und schnell wird klar, dass hier eine kaputte Existenz versucht, die Scherben seines Lebens zusammenzukehren.

Sobald Shooter in Morts Leben tritt, nimmt das Ganze Fahrt auf. Der Machtkampf zwischen den beiden nimmt zunehmend drastischere Formen an. Mort wird zunehmend verzweifelter in seinen Versuchen, sich gegen den Fremden zur Wehr zu setzen. King zeigt herrlich die Abgründe der menschlichen Seele auf. Und das überraschende Finale passt perfekt – vermutlich haben viele von euch aber auch schon den Film gesehen und kennen die Auflösung.

Unterhaltsamer und spannender Doppelpack

Zwei sehr unterschiedliche Kurzromane sind in diesem Buch vereint. „Das geheime Fenster“ hat mir noch etwas besser gefallen, aber beide sind auf ihre Weise sehr unterhaltsam und spannend. Mit so einem Doppelpack macht man nichts verkehrt.

Übrigens: Ignoriert den Untertitel „Das Buch zum Film“. Das klingt so, als würde man zu den eigentlichen Storys auch noch Infos zu den Filmen bekommen. Aber es sind einfach nur die beiden Geschichten, fertig.

8/10 King-Kurzromane

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Langoliers und Das geheime Fenster
Originaltitel: The Langoliers; Secret Window
Autor: Stephen King
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453208148
Erscheinungsjahr: 2004
Seitenzahl: 539

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