Cover Stephen King: The Green Mile. Foto: Heyne
Drama,  Phantastik

Stephen King: The Green Mile

Alle paar Jahre muss ich mir Frank Darabonts Film „The Green Mile“ anschauen. Und jedes Mal wärmt er mir das Herz. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass das Drama mit phantastischen Elementen auf Stephen Kings Roman basiert. Ursprünglich kam das Ganze 1996 als sechsteiliger Fortsetzungsroman heraus.

Die grüne Meile

Der alte Paul Edgecomb erinnert sich an die wohl prägendste Zeit seines Lebens: Vor vielen Jahren, genauer gesagt in den 30er Jahren, arbeitet Edgecomb als Gefängniswärter im Cold-Mountain-Staatsgefängnis. Dort leitet er die „grüne Meile“, den Todestrakt. Der Name rührt von dem blassgrünen Linoleumboden her.

Edgecomb hat dort schon viele Menschen kennengelernt. Unschuldige und schuldige, feige und tapfere, gute und böse Menschen. Doch nie zuvor ist ihm ein Mann wie John Coffey begegnet. Der schwarze Hüne wurde wegen Vergewaltigung und Mord an zwei kleinen Mädchen verurteilt und sitzt seine Zeit bis zur Hinrichtung unter Edgecombs Aufsicht ab.

Anfangs zweifelt Edgecomb nicht an dieser Verurteilung. Doch im Lauf der Zeit lernt er John Coffey besser kennen. Er sieht die sanftmütigen Züge des Hünen, und er entdeckt noch etwas anderes. Offenbar hat Coffey eine besondere Gabe. Eine Gabe, die anderen Menschen hilft, statt sie zu verletzen. Und langsam kommen Edgecomb Zweifel, ob Coffey tatsächlich der Mörder dieser beiden Mädchen ist.

Ein Drama voller Menschlichkeit

Stephen King hat schon vor vielen Jahren – eher Jahrzehnten – die Grenzen des Horrorgenres hinter sich gelassen und in diverse Richtungen gearbeitet. „The Green Mile“ gehört zu diesen Ausflügen in andere Genres. Und mit welcher Intensität der Meister dieses Drama zu Papier bringt, verursacht mir eine Gänsehaut.

Das fängt schon bei den Charakteren an. Paul Edgecomb und seine Mitarbeiter im Todestrakt sind mehr als Kollegen. Sie sind Freunde, die respektvoll miteinander umgehen und aufeinander achten. Und auch den Gefangenen wollen sie die letzten Jahre, Monate und Tage vor der Hinrichtung erträglich gestalten. Diese Menschlichkeit ist der Kern von „The Green Mile“, der Dreh- und Angelpunkt.

Denn auch John Coffey – die Initialen sind kein Zufall – steht für diese Menschlichkeit. Er nimmt klaglos die Strafe an, die ihm auferlegt wurde, und bringt trotz seiner Situation im Todestrakt unfassbar viel Mitgefühl für seine Mitmenschen auf. Vor allem die Dialoge zwischen ihm und Edgecomb gehen unter die Haut.

Überhaupt sind die Charaktere eine der größten Stärken des Romans, auch abseits der Protagonisten. Sei es der fiese Percy Wetmore, der sich am Leid der Gefangenen ergötzt, sei es der hünenhafte Brutus Howell, der das Herz am rechten Fleck hat, oder sei es Eduard Delacroix, ein Gefangener, der seine letzte Lebensfreude aus einer kleinen Maus als Freund zieht.

Und dann verwebt King dieses intensive Drama um Todesstrafe, Rassismus und Sühne mit genau der richtigen Prise Phantastik. Die Handlung wird dadurch nicht weniger glaubwürdig, im Gegenteil: Durch diese Phantastik bekommt der Roman etwas Märchenhaftes, das den bedrückenden Themen ein klein wenig Härte nimmt.

Zutiefst bewegend

Was soll ich sagen: „The Green Mile“ gehört für mich zu Stephen Kings stärksten Romanen und zu einem der besten Romane, die ich bisher gelesen habe. Empathisch, menschlich und zutiefst bewegend wird eine großartige Geschichte inmitten von Hoffnungslosigkeit und Tod erzählt. Danke, Mr. King!

10/10 Mousevilles

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: The Green Mile
Originaltitel: The Green Mile
Autor: Stephen King
Verlag: Heyne
ISBN: 9783453435841
Erscheinungsjahr: 1996
Seitenzahl: 592

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