Tanja Hanika: Die Gruft des Doktor Amorbius. Cover: Tamas Zsebok
Horror

Tanja Hanika: Die Gruft des Doktor Amorbius

„Die Gruft des Doktor Amorbius“ von Tanja Hanika wurde mir freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das hat aber keinen Einfluss auf meine Bewertung. Schon als ich „Hexenwerk“ gelesen habe, war mir klar, dass ich bei Gelegenheit wieder was von der Autorin lesen würde. Denn den Schreibstil mochte ich ziemlich gern, auch wenn ich ein paar Kritikpunkte hatte. „Die Gruft des Doktor Amorbius“ ist nun ein recht kurzer Schauerroman, quasi eine Schauernovelle.

Forschungen zum Wohl der Menschheit

Doktor Konrad Amorbius ist Wissenschaftler und Visionär. Sein wichtigstes Lebensziel ist die Forschung, genauer gesagt die Erforschung von Krankheiten. Das hat seinen Grund: Er verlor seine geliebte Ehefrau viel zu früh, weil er sie nicht heilen konnte. Seither versucht der Arzt, den menschlichen Körper besser zu verstehen.

Allerdings geht das nur über illegale Wege. So heuert er Leichendiebe an, die ihm allnächtlich tote Menschenkörper bringen. An diesen kann Doktor Amorbius in aller Ruhe seine Experimente durchführen. Für ihn ist diese unmoralische Methode die einzige Möglichkeit, medizinische Fortschritte zu erzielen und damit Menschenleben zu retten.

Eine einzige Nacht, eine einzige Leiche verändert Doktor Amorbius’ Leben für immer. Etwas Unaussprechliches, Unumkehrbares geschieht in einem Moment der Schwäche. Und der Arzt muss plötzlich mit einem dunklen, gefährlichen Geheimnis leben …

Schauerliteratur ist nicht tot

Die größte Stärke dieses kompakten Schauerromans ist eindeutig der Mut – Mut, unbequeme und eklige Themen anzupacken. Ich will nicht zu viel verraten, um nicht zu spoilern, aber nach etwa 20, 30 Seiten dachte ich nur: Nein, das passiert nicht. Das passiert gerade nicht wirklich. Und ich habe es geliebt!

Denn sind wir doch mal ehrlich: Es gibt wahnsinnig viele talentierte Schreiberlinge. Um sich von anderen abzuheben, braucht es einfach eine Schippe Mut. Und das hat Tanja Hanika bei „Die Gruft des Doktor Amorbius“ gezeigt. Denn das Horrorgenre eignet sich ideal dafür, auch mal die eine oder andere Grenze zu übertreten. Und auch der Schreibstil hat mir wieder gut gefallen. Der Schauerroman ist in einem leicht antiquierten Stil gehalten, was natürlich prima gepasst hat.

Etwa ab der Hälfte verliert die Geschichte allerdings etwas an Fahrt. Die „Folgen“ von Doktor Amorbius’ fatalen Entscheidungen fallen weit weniger drastisch aus als gedacht (oder erhofft). Und auch das Finale konnte mich nicht komplett überzeugen. Es hat zwar tatsächlich ein wenig an klassische Schauergeschichten à la Bloch, Shelley oder Leiber erinnert, war mir persönlich aber einfach zu wenig. Da ist viel Potenzial liegen geblieben.

Mutig zu Beginn, schwächer im Abgang

Der Mut, ungewöhnliche Themen aufzugreifen und das Ganze im Stil eines klassischen Schauerromans zu gestalten, hat mich bei „Die Gruft des Doktor Amorbius“ am meisten überzeugt. Das war richtig klasse. Ein spannenderes Finale hätte das Ganze meiner Meinung nach noch gekrönt.

7/10 Leichenschändungen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Die Gruft des Doktor Amorbius
Autor: Tanja Hanika
Verlag: Selfpublishing
ASIN: ‎B0B5CTRQQG
Erscheinungsjahr: 2022
Seitenzahl: 125

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