Cover Hanika Tanja: Hexenwerk. Foto: Cathy Strefford
Horror

Tanja Hanika: Hexenwerk

War das Selfpublishing, also das selbständige Veröffentlichen eines Romans ohne die Hilfe eines Verlags, vor zehn Jahren noch reichlich verpönt, ist das heute anders. Mittlerweile gibt es viele Autorinnen und Autoren, die selbst verlegen und damit sehr erfolgreich sind. Denn so können vor allem Nischen besetzt werden, an die sich die Publikumsverlage oftmals nicht herantrauen. So was muss unterstützt werden, und so habe ich mir Tanja Hanikas SP-Roman „Hexenwerk – Die gestohlenen Kinder von Schwarzbach“ näher angeschaut.

Hexen und verschwundene Kinder

Schwarzbach ist eine gewöhnliche Kleinstadt. Na ja, ganz so gewöhnlich dann doch nicht. Denn regelmäßig verschwinden in dem sonst so friedlichen Örtchen Kinder. Man findet nie ihre Leichen, es gibt keine Lösegeldforderungen, nichts. Die Kinder bleiben einfach für immer verschwunden. Und das geht schon seit vielen Jahren so.

Für Simon, Linus und ihre Freunde beginnen endlich die Sommerferien. Eine Zeit voller Abenteuer und wilder Fahrradtouren erwartet sie. Doch gleich am ersten Ferientag begeben sich die Jungs auf einen Weg, der ihr ganzes Leben zu verändern droht.

Denn aus jugendlichem Übermut legen sich die Freunde mit drei alten Frauen an, als ein weiteres Kind verschwindet. Zahlreiche Gerüchte ranken sich um die Frauen, die gemeinsam in einem Haus leben: Es heißt, sie seien Hexen und würden Kinder fressen.

Und plötzlich befinden sich Simon und die anderen in dem ewigen Kampf Gut gegen Böse. Werden sie den Hexen das Handwerk legen? Gemeinsam mit einer Hexenjägerin und der Mitschülerin Annika stürzen sie sich ins Gefecht.

Klassische Handlung mit Schwächen

Die Story selbst ist beinahe klassisch: Eine Gruppe Kinder kämpft gegen böse, mächtige Hexen. Das hat mir an Info quasi schon gereicht, um „Hexenwerk“ lesen zu wollen. Wenn ich dabei noch die SP-Szene unterstütze – das passt doch, nech?

Und ich kann vorab sagen: Ich mochte den Schreibstil ziemlich gern. Das Ganze las sich flüssig und flott. Leider gab es viele kleinere und größere Dinge, die mich beim Lesen gestört haben. Simon und Linus sind sympathisch und vor allem in den Dialogen untereinander oder mit den Geschwistern sehr authentisch. Die übrigen Charaktere fallen dahinter ab. Klar, der Roman hat nur 224 Seiten, da ist nicht viel Raum für umfangreiche Figurenentwicklung. Aber gerade bei Annika zum Beispiel wäre es wichtig gewesen, sie mehr mit einzubinden.

Auch der Horrorfaktor hält sich in Grenzen. Kinderfressende Frauen, der Teufel, nächtliche Albträume – alle Zutaten wären da. Gruselig wird es aber nicht; zu schnell sind die wirklich unheimlichen Momente wieder vorbei und die Story galoppiert weiter. Hier ist viel Potenzial nicht genutzt worden. Darunter leidet auch die Spannung, denn ein Horrorroman lebt nun mal von den gruseligen Szenen. Da hätte es einfach mehr sein können.

Und leider haben sich – trotz Korrektorats – immer noch zahlreiche Fehler eingeschlichen. Es gibt kein fehlerfreies Buch, aber die Fehler müssen sich einfach in Grenzen halten, sonst stören sie zunehmend. Für das tolle Cover gibt es aber einen Extrapunkt, denn es ist total stimmig und passend. Außerdem wurde auf der Buchrückseite ein deutlicher Warnhinweis zu den Inhalten des Romans vermerkt. Das ist nicht selbstverständlich und ein guter Service für potenzielle Leser.

Nicht mein Fall

Ein angenehmer Schreibstil und eine kurzweilige Geschichte stehen einer Überzahl an Fehlern, einem semi-optimalen Handlungsaufbau und fehlender Spannung gegenüber. Das Grundkonzept finde ich klasse, aber die Umsetzung war leider nicht mein Fall. Da wurde viel Potenzial liegen gelassen. Schade!

5/10 Hexen

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Hexenwerk – Die gestohlenen Kinder von Schwarzbach
Autor: Tanja Hanika
Verlag: Selfpublishing
ISBN: 9781688524514
Erscheinungsjahr: 2019
Seitenzahl: 224

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