Cover Terry Pratchett: Die Farben der Magie. Foto: Piper
Fantasy,  Humor

Terry Pratchett: Die Farben der Magie

Wenn jemand Fantasy mit Humor verbinden konnte, dann war es Terry Pratchett. Der 2015 verstorbene britische Autor kreierte mit der Scheibenwelt eine bizarre, außergewöhnliche, faszinierende Welt. Bis heute begeistert er damit Millionen von jungen und älteren Lesern. 1983 erschien mit „Die Farben der Magie“ in Großbritannien der erste Scheibenwelt-Roman, dem noch viele folgen sollten. Zwei Jahre später wurde auch der deutsche Buchmarkt mit dem Auftakt der Reihe beglückt.

Der erste Tourist der Scheibenwelt

Die Scheibenwelt ist eine ganz besondere Welt: Sie ist flach wie eine Scheibe – daher der Name – und ruht auf dem Rücken von vier gigantischen Elefanten. Diese wiederum stehen auf dem Panzer der riesigen, durchs Weltall schwebenden Schildkröte Groß-A’Tuin.

Die Einwohner der Scheibenwelt sind genauso durchgeknallt wie ihr Zuhause. Das Zentrum ist eindeutig der Stadtstaat Ankh-Morpork. Und dort beginnt die Geschichte. Denn der erste Tourist der Scheibenwelt mit Namen Zweiblum besucht die Stadt, um sich von einem kundigen Reiseführer alles zeigen zu lassen.

Wie der Zufall es so will, ist der ziemlich erfolglose und dazu noch ziemlich unbegabte Zauberer Rincewind gerade von der Unsichtbaren Universität suspendiert worden. Unklugerweise hat er nämlich in ein verbotenes Buch geschaut. Obwohl er zunächst keine große Lust hat, Zweiblum seine Heimat zu zeigen, ändert er seine Meinung schnell. Denn der naive Zweiblum ist reich – ungesund reich.

Gemeinsam begeben sie sich auf eine abenteuerliche, gefährliche und aufregende Reise über die Scheibenwelt. Wandelnde Holztruhen, Trolle, Drachen und betagte Barbaren sind nur ein paar Kreaturen, denen sie begegnen. Und fast fallen sie vom Rand der Scheibenwelt …

Kreativ und witzig

„Die Farben der Magie“ entführt seine Leser in eine seltsame, groteske, schräge Fantasywelt, die für mich bis heute unerreicht ist. All die Ideen, die vor Kreativität nur so sprühen, sind erstaunlich. Da gibt es den Tod, der nur in Großbuchstaben spricht – den Roman „Gevatter Tod“ habe ich hier auf dem Blog schon vorgestellt –, die Struktur der Scheibenwelt, die Götter, die einzelnen Charaktere …

Vielleicht braucht es beim ersten Lesen eines Scheibenwelt-Romans ein bisschen, bis man sich in dieser außergewöhnlichen Welt zurechtgefunden hat. Aber dann wird man ziemlich schnell eingefangen von dem lockerflockigen Schreibstil und von dem Humor, der aus einem guten Buch ein richtiges Leseerlebnis macht. Was soll ich sagen: Als ich bei einem meiner letzten Vor-Corona-Urlaube „Die Farben der Magie“ am Strand las (zum wiederholten Mal übrigens), musste ich mehrfach so laut loslachen, dass die Leute ringsum schon geguckt haben, was mit der Verrückten los ist …

Mit Rincewind gibt es eine Hauptfigur, die in zahlreichen anderen Scheibenwelt-Romanen auftaucht und die man einfach nur ins Herz schließen kann. Ein feiger, unsicherer, mürrischer Zauberer ohne Talent, der regelmäßig Selbstgespräche führt und mehr Glück als Verstand hat … So eine Figur kann man doch nur mögen! Und auch die anderen Charaktere glänzen mit verschrobenen Eigenschaften en masse. Dabei gelingt es Pratchett immer wieder, charmante kleine Seitenhiebe auf unsere Gesellschaft zu verteilen, in anderen Scheibenwelt-Romanen sogar noch deutlicher.

Eine kleine Vorwarnung: Zusammen mit dem zweiten Band der Reihe, „Das Licht der Fantasie“, bildet dieser Roman eine fortlaufende Geschichte. Ihr solltet also sicherstellen, dass ihr den zweiten Band griffbereit habt, damit ihr direkt weiterlesen könnt. Denn „Die Farben der Magie“ endet mitten in der Geschichte, also mit einem kompletten Cliffhanger.

Der Beginn einer großartigen Reihe

Witzig, fantasievoll, unberechenbar: „Die Farben der Magie“ ist ein wundervoller Auftakt zu einer großartigen Fantasy-Reihe, die ihresgleichen sucht. Mit viel Humor, noch mehr liebenswerten und durchgeknallten Charakteren und einer ganz besonderen Welt hat Terry Pratchett mit der Scheibenwelt etwas für die Ewigkeit geschaffen.

9/10 Reiseführer

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Die Farben der Magie
Reihe: Die Scheibenwelt – Band 1
Originaltitel: The Colour of Magic
Autor: Terry Pratchett
Verlag: Piper
ISBN: 9783492280624
Erscheinungsjahr: 1985
Seitenzahl: 256

One Comment

  • Robert

    Dem kann ich nur beistimmen. Diese humorvolle fantastische Fantasy sucht ihresgleichen. Ich habe fast alle Scheibenwelt-Romane gelesen, die zugehörigen Filme gesehen und die Discworld-Computer-Adventures gespielt und bin immer wieder fasziniert von dem trockenen Humor, den unzähligen satirischen Seitenhieben (z.B. der Roman „Rollende Steine“ ist einer britischen Rock-Gruppe gewidmet) und der scharfen Beobachtungsgabe des Autors. Auch von mir eine glasklare Leseempfehlung!!!!!

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