Cover Wendy Walker: Dark Memories - Nichts ist je vergessen. Foto: Fischer
Thriller

Wendy Walker: Dark Memories – Nichts ist je vergessen

Ich mag es ja, wenn Thriller sich von den ausgetretenen Wegen des Genres entfernen und in andere Richtungen gehen. Zu diesen Büchern zählt eindeutig „Dark Memories – Nichts ist je vergessen“ von Wendy Walker aus dem Jahr 2016. Thriller-Freunde, seid gewarnt! Es ist kein klassischer Thriller, eher eine Mischung aus Drama und Thriller.

Vergessen oder Erinnern?

Jenny Kramer ist 16 Jahre alt. Sie lebt mit ihrer Familie in dem beschaulichen Städtchen Fairview in Connecticut. Hier kennt jeder jeden, alles ist familiär und persönlich. Und dann geschieht etwas, das diese kleine, heile Welt völlig auf den Kopf stellt. Oder vielmehr in den Abgrund reißt.

Jenny wird nachts angegriffen und brutal vergewaltigt. Sie kommt mit Verletzungen und einem schweren Trauma ins Krankenhaus. Die ganze Familie leidet mit dem Mädchen mit und ihre Eltern Charlotte und Tom ringen sich zu einem folgenschweren Entschluss durch. Jenny soll ein Medikament einnehmen, mit dem sämtliche Erinnerungen an dieses schreckliche Erlebnis ausgelöscht werden.

Danach will die Familie ihr Leben weiterleben. Doch das ist leichter gesagt als getan. Jenny fehlt ein schmerzhafter, aber prägender Teil ihrer Erinnerung. Er ist einfach ausgelöscht worden und nagt jetzt an ihr. Und ihre Eltern können das, was geschehen ist, nicht verarbeiten. Jeder Versuch, die heile Welt wiederherzustellen, fühlt sich wie Hohn an.

Jenny sucht Hilfe bei dem Psychiater Alan Forrester. Mit ihm will sie das furchtbare Erlebnis aufarbeiten und ihre Erinnerungen zurückgewinnen. Und auch ihre Eltern besuchen den Arzt, denn dieser Überfall hat bei allen Familienmitgliedern schwere Wunden hinterlassen. Aber sind die Erinnerungen, die bei Jenny langsam zurückkehren, die Realität oder wird sie von ihrem Umfeld manipuliert?

Wahrheit ist eine Frage der Perspektive

Bereits auf den ersten Seiten wird schonungslos von Jennys Martyrium berichtet – harter Tobak direkt zum Einstieg! Abgesehen von diesem heftigen Anfang entwickelt sich bei „Dark Memories – Nichts ist je vergessen“ aber eher ein dialogreiches Kammerspiel, in dem man sich nie sicher sein kann, dass man die ganze Wahrheit erfährt. Über weite Strecken überwiegt das Drama, so dass hin und wieder die Spannung verloren geht.

Vor allem die Perspektive, aus der Walker erzählt, ist interessant. Denn die Leser erfahren alles aus Sicht von Ich-Erzähler Psychiater Alan Forrester, der nicht nur Jenny behandelt, sondern auch andere Familienmitglieder, und dadurch den meisten Einblick in das Innenleben der Charaktere gewinnt.

So begleiten die Leser die gesamte Familie Kramer. Natürlich geht es um das schreckliche Verbrechen und um die Tätersuche – wer hat Jenny so etwas Grausames angetan? Aber vielmehr geht es auch darum, wie sich die Familie dadurch verändert, was dieses Erlebnis aus dem bisher so harmonischen Gefüge macht und wie die involvierten Menschen damit umgehen.

Punktet mit gutem Thema

Auch wenn die Spannung hin und wieder fehlt: Mit „Dark Memories – Nichts ist je vergessen“ hat Wendy Walker einen interessanten, vielschichtigen Roman geschaffen, der mit einer interessanten Erzählperspektive und einem aufregenden Thema punkten kann.

7/10 Traumata

Die nackten Fakten

Deutscher Titel: Dark Memories – Nichts ist je vergessen
Originaltitel: All is not forgotten
Autor: Wendy Walker
Verlag: S. Fischer Verlag
ISBN: 9783104038445
Erscheinungsjahr: 2016
Seitenzahl: 384

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Letterheart

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